Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Das K.J.V. „To be or not to be, that is the question." (Shakespeare.) Das K. J. V. ist jetzt nach zweijähriger Arbeit halbwegs wieder intakt. Es gibt auch schon wieder einen van Jahr zu Jahr an Zahl gleichbleibenden oder gar wachsenden Nachwuchs. Die äußeren Voraussetzungen für aktivezionistische Arbeitdes Kartells sind also wieder gegeben. Die Lage des deutschen Zionismus macht es notwendig, diese Arbeit im neuen Kartelljahr unverzüglich mit größtem Nachdruck zubeginnen. Nach drei Fronten hin wird die Arbeitsoffensive einsetzen müssen: in Richtung auf die Z. V. f. D., in Richtung auf die jüdisch« Jugend in Deutschland und in Richtung auf Palästina. Die Arbeit in Richtung auf die Z. V. f. D. besteht darin, eine möglichst große Anzahl von Menschen aus den jüngeren Generationen des Kartells beschleunigt für politische und administrative Tätigkeit im deutschen Zionismus freizumachen. Dabei muß der Fehler vermieden werden, daß Menschen zu früh hinausgestellt werden. Zu früh in einem doppelten Sinn: zu früh, weil sie noch nicht ausgereift sind, und zu früh, weil sie noch keine Existenz haben. Es ist eine Binsenwahrheit, daß sich Existenzen heute viel schwerer aufbauen lassen als vor dem Kriege. Den Bundesbrüdern dabei zu helfen, ist eine zionistische Aufgabe des Kartells. Die Mittel dazu sind systematische Berufsberatung, Besorgung von Anstellungen und Niederlassungsmöglichkeiten, Kredithilfe. Die Berufsberatung der Siebzehn- und Achtzehnjährigen, welche zu uns kommen, hat enge Grenzen. Diese jungen Menschen haben sich bereits größtenteils für akademische Berufe entschieden. Es kommt jetzt darauf an, sie in diejenigen Berufe hineinzuführen, in denen sie die meisten Aussichten haben. Es ist daher notwendig, ein Berufsressort des Kartehls aufzubauen, das von diesen Dingen wirklich etwas versteht und in ständiger Zusammenarbeit mit den sonstigen jüdischen und nichtjüdischen Berufsberatungsstellen sich ständig über die Aussichten in den einzelnen Berufen unterrichtet, insbesondere in der Lage ist, auf die sich immer mehr entwickelnden Spezialisierungsmöglichkeiten rechtzeitig und mit der notwendigen Kenntnis von Einzelheiten hinzuweisen. Das Berufsressort wird weiterhin in der Richtung der Berufsförderumg auszubauen sein, d. h. es wird in ständiger Zusammenarbeit mit Bundesbrüdern und anderen Zionisten im ganzen Reich und in Erez-Israel feststellen, wo sich jeweils eine Existenz für einen geeigneten Mann bietet. Nicht immer wird der betreffende Bundesbruder dann in der Lage sein, sofort aus eigenen Mitteln seine Niederlassung oder seinen Eintritt in eine Stellung betreiten zu können. Zu diesem Zweck wird eine Wirtschaftshilfe des Kartells geschaffen werden müssen. Die Ansätze dazu sind durch die Gründung der Kreditgenossenschaft unseres Bezirksverbandes Mitteldeutschland bereits gegeben. Diese Organisation wird zu einer Kreditgenossenschaft des Kartells auszubauen sein, welche den jungen Bundesbrüdern nach streng kaufmännischen Grundsätzen Darlehen für ihre Niederlassung, gegebenenfalls vielleicht auch für bestimmte Perioden ihrer Berufsausbildung, gewährt. 3 19