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Der jüdische Student · 1929-12-01 · Heft 10 (Dezember 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 10 (Dezember 1929)
Date
1929-12-01
Page
[Seite] (sequence 29)
Language
German
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Entwicklungen im deutschen Judentum. Von Dr. Siegfried Kanowitz. I. Es ist unzweifelhaft, daß die Einstellung des offiziellen deutschen Judentums zum Komplex „Judentum" außerordentliche Wandlungen) erfahren hat. Für das Vorkriegsjudentum war Inhalt und Aufgabe seines Judeseins mit einigen sehr eindeutigen Formeln definiert: das Judentum ist eine Konfessionsgemeinschaft, der Jude ist ein treuer und vollwertiger Sohn des deutschen Volkes. Von seinen deutschem Mitbrüdern trennt ihn nichts, denn eine andere Konfession. Aber auch das sind Unterschiede, die im Schwinden begriffen sind. Immer mehr und mehr siegt eine allmenschliche Ethik; es sei die Mission des Judentums; diese Entwicklung zu beschleunigen und ein messianisches Reich herbeizuführen. Das Judentum galt als ein individuelles Problem. Alle Lösungsversuche der Judenfrage waren an den Einzelnen und an sein Verhalten gebunden. Jeder deutsche Jude war davon durchdrungen, daß im Grunde genommen der Antisemitismus durch Wohlverhalten des einzelnen Juden, durch Beteuerung seiner Loyalität, durch Hinweis auf seine edlen Eigenschaften zu bannen sei. Antisemitismus galt lediglich als eine Folge von Verirrung und Verhetzung. Dieses ganze Begriffssystem beruhte auf den beiden hauptsächlichsten Triebkräften, von denen das jüdische Denken dieser Zeit bestimmt wurde: dem Rationalismus und Opportunismus. Eine so durch und durch rationalistische und opportunistische Welt konnte naturgemäß zum Zionismus, dessen Triebkräfte durchaus entgegengesetzte waren, kein Verhältnis finden. Die Vorkriegsgeneration hielt den Zionismus für eine künstliche, von Schreiern und Demagogen gemachte Sache, ebenso wie sie den Antisemitismus lediglich für ein Verhetzungsprodukt hielt. Daß man das reale Programm des Zionismus ironisierte, erscheint vielleicht noch verständlich. Eine jüdische Generation, die so wenig an jüdische Kraft und jüdische Zukunft, an das Wunder in der Menschheitsgeschichte zu glauben vermochte, sie konnte vielleicht wirklich nicht erkennen, daß diese Bewegung ihre geschichtliche Wahrheit in sich barg und darum zum Ziel gelangen mußte. Noch vor 15 Jahren kommt man zu dem Resümee, daß ,ydas Palästinaideal eine Utopie, daß ein jüdisches autonomes Gemeinwesen! innerlich eine logische und staatsrechtliche Unmöglichkeit, äußerlich eine Gründung darstellt, die weder die Türkei, noch die Großmächte je gestatten würden". Demgegenüber müssen die Aeußerungen des heutigen offiziellen Judentums als eine grundsätzliche Abkehr von dieser Vorkriegsauffassung erscheinen. Der Führer des Central-Vereins darf unangefochten bekennen: „Die Emanzipation der Juden ist von den Juden unter Aufgabe des Begriffs der jüdische n Nation erreicht worden..... Es ist von uns als Vertragsteil verlangt worden: Aufgabe der jüdischen Nation mit ihren Eigenheiten der volklichen und der rechtlichen Zusammengehörigkeit; Umwandlung dieser Nation in ein reines, religiöses Bekenntnis. Diese Zusicherungen sind gegeben worden und Grundlage geblieben." (Hollaen- 29

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