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Der jüdische Student · 1929-04-01 · Heft 3-4 (April 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 3-4 (April 1929)
Date
1929-04-01
Page
[Seite] (sequence 43)
Language
German
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seinen Zionismus als etwas sehr Unkompliziertes ansehen. Aber würden sich an Li cht heim öfter jüngere Bundesbrüder in ihrer Ratlosigkeit wenden, dann hätte er hier nicht die Parole eines unkomplizierten Zionismus' ausgegeben. Das kann höchstens eine Scheinberuhigung bedeuten. Mies, was heute junge Juden hindert, Zionisten zu werden, hindert unsere jungen Bundesbrüder, gute Zionisten zu sein. Man muß also der Mentalität der jüdischen Jugend außerhalb unserer Reihen viel mehr gerecht werden als es Li cht heim getan hat. Glaubt Licht heim, daß die Generation der 2öjährigen durch die Art, wie er seinen Zionismus darstellt und begründet, überzeugt werden, kann? Licht he im hat ein bestimmtes zionistisches System. Er sagt, daß es unmännlich sei, „Modeströmungen" gegenüber nachzugeben und meint z.>B. den Sozialismus. Nun ist aber die Modeströmung von heute durchaus reaktionär. Auch als Revisionist könnte sich L i c h t h e i m dem Verdacht aussetzen, daß er einer Modeströmung nachgegeben hat, denn im Revisionismus spricht doch auch ein Stück faschistisches Rom. Man soll also den Begriff der Modeströmungen aus unserer Terminologie ganz streichen. Der zionistische Sozialismus z. B. ist kein Nachgeben gegen eine Modeströmung, sondern entspringt einem echten Bedürfnis. Ich halte die Tatsache, daß es einen sozialistischen Zionismus gibt, für die Rettung des Zionismus. Der Zionismus kann nicht gesehen werden als ein einmaliger Befreiungsakt. Mit einem statischen Zionismus wäre nicht zu leben. Das große Glück des Zionismus ist es geworden, daß es einen Kongreß gibt, auf dem Zionisten aller Weltanschautingen einen legitimen Platz haben. Nützt Lichtheim uns, wenn er uns verführt, den Zionismus so einfach zu sehen. Jetzt kommt ein Jahrgang 1910, ringt um die Frage, wie man aus einer Welt, deren Zusammenbruch offenbar war, etwas besseres machen kann, und jetzt sollen wir kommen und sollen sagen: Sozialismus? Modeströmung! Unser Problem ist es nicht, zionistische Differenzierungen auszulöschen, sondern ihnen gegenüber immer wieder die Autorität der Zionistischen Organisation und der zionistischen Idee neu zu begründen. Ich würde eine Gefahr darin sehen, wenn zionistische Sozialisten glauben, daß sie nach Palästina gehen müssen, um dort Sozialismus zu finden. Ich halte es für eine Gefahr, wenn die zionistisch-sozialistische Jugend uns im Stiche läßt und zum Kommunismus übergeht, weil sie nicht versteht, daß wir erst als Volk unseren Kampf um unsere primitive Existenz durchkämpfen müssen. L i c h t h e i m sprach über Palästina-Wirtschaft, erwähnte den Zusammenbruch des Solei Boneh, schloß daraus, daß dort falsche Tendenzen ihr wohlverdientes Ende gefunden hätten. Es ist gefährlich, wenn junge Menschen einem politischen Darwinismus huldigen, wonach nur das, was überlebt, gut ist und was unterging, schwach war. Wir müßten uns umgekehrt fragen, welche Tendenzen haben wir zu stützen, auch wenn sie sich in der Welt der Wirklichkeit nur schwer behaupten können. Man tut dem zionistischen Sozialismus unrecht, wenn man ihn als nichtnational diskreditiert. Es wird doch von seinen Anhängern vertreten: jüdische Arbeit, jüdisches Land, hebräische Sprache. Das sind doch unsere nationalen Forderungen. Ich hätte es für richtiger gefunden, wenn Lichtheim gesagt hätte, in dieser sozialistischen Arbeiterschaft stecken un- 4a

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