Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 3 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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Bücherbesprediungen.*) Granovsky, A.: Bodenbesteucrung in Palästina. (Jüdischer Verlag, Berlin 192S.) Seinem instruktiven und notwendigen Werk über die Bodenprobleme Erez-Israels (Jüdischer Verlag 1925) läßt Granovsky jetzt ein nicht weniger notwendiges Buch über die palästinensische Bodenbesteuerung folgen. Mit außerordentlicher Mühe ist das unübersichtliche Gesetzesmaterial aus zahllosen verstreuten Quellen zusammengetragen und in klarer Darstellung verarbeitet worden. Ein Dutzend Texttabellen gibt die wichtigsten steuerstatistischen Daten. Aber die Schrift ist mehr als eine Materialsamrhlung. Sie ist eine finanzwissenschaftliche und — was wichtiger ist — eine finanz politische Darstellung und Kritik der palästinensischen Landwirtschaftsbesteuerung. In zwei einleitenden Kapiteln wird die Stellung der Steuern im Haushalt der Palästinaregierung und die Geschichte der palästinensischen Steuergesetzgebung in türkischer und englischer Zeit kurz umrissen. Dann folgt in vier Kapiteln eine eingehende Untersuchung der vier Bodensteuerarten: Oscher, Werko, Aghnam und Rassem. Anschließend werden die Bodensteuern einiger benachbarter Mittelmeerländer vergleichsweise dargestellt. Auf Grund seiner Untersuchungen kommt Granovsky dann zu einer scharfen Kritik des palästinensischen Steuersystems und zu Vorschlägen für eine Reform des Oschers und des ganzen palästinensischen Steuerwesens. Seine Vorschläge beruhen auf der Anwendung elementarster Erkenntnisse der Finanzwissenschaft auf die besonderen wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen des Landes. Sie dienen den Bedürfnissen aller Einwohner Palästinas. Erst im Schlußkapitel wird auf die Notwendigkeit der Steuerreform für die Entwicklung des jüdischen Kofonisationst werkes ausdrücklich hingewiesen, werden besondere Wünsche zugunsten der jüdischen Siedler geltend gemacht. Das Buch ist also außerordentlich sachlich. Um so erschütternder ist diese Sachlichkeit für jeden, der beurteilen kann, welche Wirkungen ein unsinniges Steuersystem auf Bestand und Entfaltung kolonisatorischer Unternehmungen zu haben vermag. Wenn auch seit der Drucklegung der Granovskyschen Schrift die Reform des Oschers von der palästinensischen Regierung in Angriff genommen worden ist (192S!), so bleibt auch heute noch Granovskys Urteil wichtig: „An^ statt die Kolonisationsarbeit der Juden zu fördern . . wie es seitens der Regierungen so vieler anderer Länder neuen Einwanderern gegenüber geschah und auch jetzt noch geschieht, ist das in Palästina geltende Steuersystem dazu angetan, gerade die neuen tatkräftigen jüdischen Elemente in starkem Maße zu belasten." In der türkischen Republik gibt es seit 1925 ein modernes Steuersystem. Das derzeitige Steuersystem Erez-Israels stammt aus der Zeit Abdul Hamids. (Die von der Regierung zwischen 1921 und 1923 vorgenommenen Verbesserungen sind nach Granovsky unerheblich.) Die *) Sämtliche hier besprochenen Bücher liefert Kurt Rosenbaum, Buchhandlung, Berlin W 15, Meinekestr. 10. 34