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Der jüdische Student · 1926-11-01 · Heft 4 (November 1926) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
23 (1926)
Issue
Heft 4 (November 1926)
Date
1926-11-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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104 Betrachtungen nach dem Camp Betrachtungen nach dem Camp. Hans Ca pell, Düren (V.J.St. „Kadimah" Bonn). Eine neue Frage gab dem diesjährigen Camp seine Geschlossenheit — die Frage der Fusion mit dem Blau-Weiß. Demgegenüber trat eigentlich alles zurück, was für die Entwicklung des Kartells von Wichtigkeit ist. Nur schwaches Echo fand die Forderung nach Politisierung, über die Kampfansage an den Revisionismus ging man zur Tagesordnung über. Man kann das als Symptome eines langsam heranschleichenden Indifferentismus werten. Diese Deutung wird jedoch nicht den Kern treffen. Der Abschluß der Fusion bedeutet mehr als das Zusammengehen zweier Gruppen. Er ist der Beginn einer neuen Entwicklung, die das Kartell vor neue Aufgaben stellt, die bisher nicht in seinem Bereich lagen. Es ist ein Zeichen für die Verbundenheit mit unserem Bunde, daß diese Frage uns voll beherrschte. Gerade aus jenen, die glaubten, den vom Präsidium vorgeschlagenen Weg nicht mitgehen zu können, sprach eine starke Liebe zum Kartell, Wenn wir auch feststellen dürfen, daß diese Liebe blind war, weil sie einen nichtvorhandenen Idealtyp des K.J.V. und des K.J.V.ers der Wirklichkeit gleichsetzte, so war die Diskussion doch von jener Sachlichkeit getragen, die Herbert Foerder in seinem einleitenden Referat forderte. Nur eins muß festgestellt wTerden. Leider entsprach die Sachkenntnis nicht dem zweifellos vorhandenen Willen zur Sachlichkeit. Die Problematik der deutschen zionistischen Jugendbewegung, ihre Krise, der Versuch der Zusammenfassung deuischjüdischer Jugendkreise in der „Kadimah" finden nicht die Beachtung, die sie verdienen. Manches wäre erspart geblieben. Denn aus der Kenntnis der Situation des Blau-Weiß heraus hätten auch die Gegner einer Fusion die zionistische Notwendigkeit eines Zusammengehens eingesehen. Charakteristisch bleibt, daß, als man sich im Verlauf der Tagung informiert hatte, kein Antrag auf Ablehnung der Fusion zur Abstimmung kam. Man kann der Skepsis der Kritiker der Fusion eine gewisse Berechtigung zuerkennen. Die Verschmelzung heterogener Gruppen wrie der von Kaufleuten, Handwerkern, Landwirten und Akademikern zu einem Bunde wird nicht ohne Kampf vonstatten gehen. Doch gleichzeitig wird die Vielgestaltigkeit des neuen Bundes auch einen Schritt vorwärts auf dem Wege der geforderten Politisierung bedeuten. Weshalb diese Frage nicht erörtert wurde, habe ich schon angedeutet. Aber daß die Forderung berechtigt ist, zeigt die Tatsache der vielen resignierenden Menschen im Kartell. Sie haben die Beziehung zum politischen Zionismus verloren, als sie sich hinsichtlich Palästinas enttäuscht sahen und ihre Alijah in weite Ferne gerückt wrurde, wenn nicht überhaupt unmöglich schien. So verbrennen wir an uns selbst, da nichts

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