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Der jüdische Student · 1924-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1924) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
21 (1924)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1924)
Date
1924-06-01
Page
[Seite] (sequence 52)
Language
German
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162 Aus dem Kartell ist indessen nicht so ganz richtig. Vielmehr kommt es in erster Linie auf die Personen an, welche die Führung der Verbindung inne haben, auf das Leben, welches sie einer Verbindungveranstaltung einzuflößen in der Lage sind. Es liegt in der Hand des Führers, eine Stimmung zu erzeugen. Niemals ist der Betrieb einer Verbindung von ihren Formen abhängig, sondern stets von den Personen, welche diese Formen mit ihrem Leben und ihrer Persönlichkeit erfüllen. So ist es auf die vom C-C in der Verbindung erzeugten Stimmung zurückzuführen, daß der Ruder-V. J. St. in einzigartiger Stärke im Kamp erschien, daß er mit einem guten Teil seiner Aktivitas auf dem Kongress in Karlsbad sich versammelte. Die Thesen von Friedrich Max Simon sind im Ruder-V. J. St. bereits seit einiger Zeit verwirklicht und großenteils erprobt. Der Sonntag gehört der Verbindung, im Sommer wird gerudert, im Winter gewandert, oder wenigstens an den Vormittagen werden Waldläufe gemacht. An den Lagerplätzen treffen am Sonntag sämtliche auf dem Wasser befindlichen Boote zusammen. Dort werden Faust- und Schlagball gespielt. Ein Nachmittag der Woche ist dem Uebungsrudern gewidmet. Die Fuxenstunden lagen im vorigen Sommer in der Hand von Bbr. Holzer, vom Herbst ab wurden sie von Bbr. Hans Katschke gegeben. Es wurden Tendenz und jüdische Literaturgeschichte behandelt. Der Geschichtsunterricht blieb meist an der Oberfläche haften, da lediglich grundrißmäßiges geboten werden konnte. Jedoch erschien auch dies als angebracht und nützlich, da das jüdiche Bildungsniveau unserer Füxe im allgemeinen ein recht niederes ist. Im Rahmen der Fuxenstunde wurde auch der sogenannte K. J. V. Unterricht erteilt, der die Behandlung der Institutionen des K. J. V. und der den K. J. V. bewegenden Fragen umfaßt In den Mittelpunkt des Verbindungslebens hatte man die Pflege des Hebräischen gestellt und die Burschen nach Möglichkeit in einem .Kursus vereinigt. Dieser war auch zunächst nicht als reiner Sprachkursus gedacht, sondern sollte den beteiligten Bundesbrüdern Kentnisse der hebräischen und ostjüdischen Literatur im Rahmen einer Verbindungsveranstaltung vermitteln. Der Kursus hat während des Wintersemesters in befriedigender Weise gearbeitet/ trotzdem aber gelang es nicht, genau in der beabsichtigten Weise das Hebräische in das Leben der Verbindung einzustellen. Die Ursache lag darin, daß der Kursus von Sprachlehrern, die außerhalb des Kartells stehen, gegeben wurde. Diese waren nicht, wie dies nur einem Bundesbruder möglich sein kann, in der Lage, die Unterrichtsstunde zu einem anregenden Seminar zu gestalten, die Bundesbrüder zu aktiv-produktiver Mitarbeit zu begeistern. Trotzdem wurde der hebräische Unterricht zu einem Schwerpunkte der Burschenarbeit im Rahmen der Verbindung. Die Füchse hatten Hebräisch bei Bbr. Ernst Mandelbaum. Das Wintersemester wurde eingeleitet durch eine schöne Chanukahfeier in der Wohnung unseres Bundesbruders Ilberg.. Die Sonntage waren nunmehr abwechselnd durch Wandern und Waldlauf ausgefüllt. Einmal in der Woche wurde in Gemeinschaft mit den anderen Berliner Verbindungen geturnt. Danach veranstalteten wir des öfteren Liederabende. Diese Abende haben den Nachteil, daß ihr Wert als umfassende Verbindungsveranstaltung sehr problematisch ist, da sich in unseren Reihen auch unmusikalische Bundesbrüder befinden, die diesen Abenden entweder ganz fernbleiben, oder sich dabei sehr langweilen. Andererseits bereiteten diese Liederabende unsere Wanderungen vor, auf denen dann die dort erlernten Lieder gesungen wurden. Im Winter wurden des öfteren Schachabende veranstaltet, welche sich großer Beliebtheit erfreuten. Wie die Liederabende vereinten sie auch nur einen beschränkten Kreis der Verbindung. Aber man kann sagen, daß die Verbindung für alle Bundesbrüder auch im Wintersemester die Heimat war, in der sie immer gern weilten. Man erreichte, daß der Bundesbruder in der einzelnen Veranstaltung keine lästige Verpflichtung, sondern Erholung und Genuß sah. Als der C.C. seine Aemter zur Verfügung stellte, konnte man von einer „konsolidierten Verbindung" sprechen, die zu einem der stärksten Träger des Lebens im Kartell geworden

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