Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1922)
- Date
- 1922-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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-$8 Mitteilung des Präsidiums DerBlau-Weiß ist stärk er als das K JV.. aber jüdisch zuhinitslöser. Unsere Menschen sind offener, weil weniger stark ergriffen. Sie haben mehr Möglichkeiten, weil ihre Wirklichkeit, ihre Bundes. Wirklichkeit schwächer ist. Das ist an sich kein Vorteil, fast ein Nachteil. Wenn aber die Wirklichkeit (des Blau-Weiß) schlecht, die Mögliclikvdt (des KJV.) gut ist, so gilt es, diesen schwachen Keim zu pflegen md ihn nicht in ein andere'- Erdreich umzupflanzen, das 2\var fruchtbar.fT sein mag als das seine, aber andere Früchte hervorzubringen gewohnt und allein geeignet ist. Das TOV. will die Fusion aus dem Gefühl der Verantwortung für die älteren Blau-Weißen, die es glaubt jüdisch ergreifen zu müssen, — soweit ein GcfüM der Stärke für diesen Willen maßgebend ist: aus der Sehnsucht nach iaigtndbewegungsmäßiger Regeneration, soweit die Schwäche diktiert. Meist mischen sich beide Motive. Der Blau-Weiß will die Fusion, weil er — sehr mit Recht — glaubt, nichts dabei verlieren zu können. Fr hat von seiner Bundestags-Position nur einen Punkt aufgegeben: die Stellung zur Organisation, die ja schon dort wohl nicht ganz eindeutig war. Im übrigen bleibt es, soweit man hört, bei seinen Plänen der Blau-Weiß-Kolonie. bei seinem Idealbild des wirklichem Menschen, bei seinem Erziehungsmittel durch „prinzipiell jeden Stoff", bfi seiner Hypertrophie des Führertums, bei seinem — damit zusammenhingenden — Zugprestige, kurz: es bleibt der palästina-zentrische (nicht einmal der jüdische) Zweig der deutschen Jugendbewegung. Er hofft, für diese ebenso kräftige wie schlechte Sache sich neue Kräfte gewinnen zu können: diese Hoffnung würde sich nach einer Fusion ganz bestimmt erfüllen. So sieben sich gegenüber: ein KJV. als schwächerer, doch besserer — ein Blau-Weiß als stärkerer, doch schlechterer Partner der Fusion. „Gut" und ..schlecht1' sind hier immer im Sinne zionistisch-jüdischer Erziehung gemeint, nie im menschlichen Sinne. Im Gegenteil: man könnte den Unterschied fast auch so ausdrücken: Das KJV. hat die gute Sache und die weniger guten Menschen — das Blau-Weiß die schlechtere Sache und die besseren Menschen. Als KJV.er glaube ich zuversichtlich, daß dies Verhältnis sich einmal wandeln wird, daß unsere gute Sache unsere Menschen wandeln wird. Dann wird es nicht nur möglich, sondern zionistisch geboten fein, auf den ..Blau-Weiß" einzuwirken: dann ist eine Fusion wohl auck der einzig richtige Weg dazu. Heute hieße sie: dauernde Finflußmödichkeiten zugunsten eines täuschenden Scheins sofortiger Wirksamkeit für immer aufzugeben. Das letzte Instrument, auf dem die deutsche Jugendbewegung noch nicht die verführerische Melodie der Assimilation hat ertönen lassen können, wäre mit dem KJV. zerschlagen. Deshalb warne ich die Verantwortlichen in dieser letzten Stunde. Sie mögen die Freudigkeit und den Glauben prüfen, mit dem sie in dies Wagnis gdicn und sie vergleichen mit den entsprechenden Gefühlen, die sie bei &trn ungleich geringeren Wagnis der Fusion mit dem KZV. beseelten. Der Intensitätsunterschied der heutigen Entschiedenheit im Vergleich zur damaligen mag ihnen eine Probe auf meine Worte sein. Mitteilung des Präsidiums. Die VJSt. Saroma Frankfurt hat für den letzten JSt. 8000.— M. aufgebracht. Wir danken ihr an dieser Stelle dafür und würden uns freuen, wenn andere Verbindungen diesem Beispiele folgen würden. Redaktionsschluß für das nächste Heft am 10. Januar 1923. Redaktion: Dr. Moritz Bileski, p. A. Präsidium des K. J. V. G. S^ber & S3",:.e. ScLCi-cr,rt-. Ko'.ou c-nt'-r 5-3