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Der jüdische Student · 1920-02-01 · Heft 1 (Februar 1920) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
17 (1920)
Issue
Heft 1 (Februar 1920)
Date
1920-02-01
Page
[Seite] (sequence 71)
Language
German
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Berichte der Veibindungen 71 Die Wahl auf dem Schlußconvent ergab für das Zwischensemester Sally Rotihschild *, weiteres folgt auf -dem Antrittsconvent. Unsere regelmäßigen — d. h. nie .ausfallenden Veranstaltungen waren: wöchentlich eine Tendenzfuxenstunde bei Bbr. Rothschild, eine "Vorlesung „Hebräische Dichtungen" bei Prof. Gankel und ein Turnabend unter Leitung von Ernst Simon II. — Außerdem gab es, unregelmäßig, Euxenstunden bei A. H. Fürth und Bbr. Wall enstein, ein Kolleg „Hauptprobleme der jüdischen ReligionsphMosophie des Mittelalters" bei Dr. Rabin sowöle Waldlauf und Schwimmen. Einige Bundesbrüder vereinigten sich zu einer Besprechung über Klatzkin. Hebräisch wurde in zwei Kursen getrieben: Anfänger bei Estermamn, Vorgedrungene bis zur Lektion 25 des Rath., Fortgeschrittene beü Dr. Rabin. In den B.C. rezipiert wurden Dubrowitsch, sowie nach bestandener Burschenprüfung: Max Engel, Ludwig Rosenthal, Julius Katz, Otto Hecht, Siegfried Flörsheim, Hugo Strauß. A. B. Immanuel Estermann erledigte das anorganische Verbandsexamen und wurde inaktiviert, i. a. B. Walter Woiff bestand die wissenschaftliche Oberlehrerprüfung und wurde A. H. Hermann Horn bestand die tierärztliche, Adolf Reifenberg die landwirtschaftliche, Hans Plonsker, Ludwig Katz, Max Schramm und Ernst Simon II die ärztliche Vorprüfung. Ich möchte hier den Hinweis darauf einschieben, daß Gießen eine höchst günstige Examensunilversität ist. Dies wird vielleicht dazu beitragen, uns für den Sommer die unbedingt nötigen betriebsamen Bundesbrüder zu bringen, ohne düe sich die Gruppe keinesfalls halten kann. Fürs Zwischensemester sind wir lebensfähig, aber im Sommer werden die meisten Leute verschwunden sein, und es läßt sich gegen dies auch durchaus nichts einwenden, wenn man döie Sachlage prüft — also, Ueberwcisungsressort; Der Semesterbericht hat noch einiges mitzuteilen: In etwas größerem Kreise hatten wir als „Zionistische Ortsgruppe Gießen" einen Vortrag von A. H. Dr. Fürth über die „Judenfrage der Gegenwart", ein Referat von Bbr. Dubrowitsch über „Die jüdischen Parteien in Rußland", einen Vortrag unseres 0. V.-G. Eisen über die Frage „Was sind Juden?", einen weiteren von Bbr. Wo! ff über „Jehude Halevi", eine Chanukkahfeier mit literarischen und musikalischen Darbietungen und eine Tanzveranstaltung; vor der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit sprach ferner Blumenf eld über den „Antisemitismus und seine Ueberwinding". Dies klingt wohl nach recht viel; aber auch das reichhaltigste Programm verbürgt kein gutes Semester; es war dem Erstcriargierten nicht möglich, Gruppenbildungen und Abschließen der einzelnen Bundesbrüder gegeneinander zu verhindern. Convente waren weder häufig noch wertvoll; doch hat der Schluß des Semesters vieles geklärt und läßt uns für die Zukunft nun wirklich auf befriedigendes Arbeiten hoffen. Die Gruppe Gießen steht fest im -Kartell und gedenkt darin etwas zu leisten. — Unser Verhältnis zur Gießener Bürgerschaft ist vorzüglich. Mit dem K.-C. kommen wir relativ gut aus, wenn es auch ohne Reibungen nicht abgeht. Für die Wahlen zum Allgeimelünen Studentenausschuß taten wir uns mit ihm zusammen und eroberten für die Juden zwei Sitze- (von fünfzig). An den sportlichen Universitätswettkämpfen beteiligten wir uns erfolgreich: lim Geländemarsch über 18 Kilometer errangen die drei Leute unserer Mannschaft (Ernst Simon II, Alfred Grünebaum und Sally Rothschild) den zweiten, dritten und vierten Platz, so daß die beiden Erstgenannten Pneise und die Mannschaft als die bei weitem beste ein Diplom erhielt Außerdem wurde Simon Sieger im Hochsprung. Der Antisemitismus äußert sich in 'Gießen nicht übler als anderswo. Die „Medizinerschaft" hat die „Angehörigen der semitischen Rasse" herausgeworfen. (Wir haben uns getröstet.) Ein Protest beim Rektor gegen antisemitische Flugblätter bewirkte ein scharfes Verbot jeder politischen Propaganda in der Universität, das im allgemeinen geachtet wird. Hans Plonsker

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