Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 6 (Oktober 1919)
- Date
- 1919-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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Protokoll der Tagung des Bezirksverbandes Rheinland—Westfalen 291 der Alten Herren, doch hält er einen organisatorischen Anschluß der Inaktiven und Aktiven während der Dauer ihres Aufenthalts im Bezirk für erforderlich, um ihre Arbeitskraft nutzbar zu machen. Die wichtigste Aufgabe sei eine tatkräftige und musterhaft organisierte, in ihrer Tendenz scharf gegen den K. C. gerichtete Werbearbeit.*) Weiterhin hält er eine Kontrolle der zionistischen Außenarbeit der Mitglieder, zu denen auch die Aktiven und Inaktiven während der Dauer ihres Aufenthaltes im Bezirk gehören, durch den Vorstand des Bezirksverbändes für geboten, der durch seine bessere Personenkenntnis hierfür geeigneter sei als das Präsidium. Endlich hält er auch einen ständigen persönlichen Kontakt der Mitglieder untereinander für wünschenswert und befeichnet die Familien der verheirateten Mitglrata^ als* geeignete ständige Mittelpunkte des geselligen Verkehrs der Buncre!^ brüder. Sodann erhält Mendel das Wort zur Frage der Ring* bildung. Eingehend behandelt er insbesondere zwei Faktoren: 1. den Einfluß der Kriegsverhältnisse auf das Kartell und 2. das Hineinwachsen der Blau-Weißen ins K. J. V. Er schildert die bisherige Stellungnahme der Kartell Organisationen zu der von der „Zephira" angeregten Ringbildung und gibt insbesondere seinen Bedenken Ausdruck über die Zusammensetzunsr jenes Ferienconvents des V. J. St.-Berlin, der sich für die Ringbildung ausgesprochen habe. Er verliest das Rundschreiben des V. J. St.-Berlin und begründet zum Schlüsse eingehend seine ablehnende Stellung zur Ringbildung. Nach einer kurzen Geschäftsordnungsdebatte beschließt man Beibehaltung der vorgesehenen Tagesordnung, nach welcher zunächst die innere Lage des Kartells und danach die Aufgaben des Bezirksverbandes behandelt werden -sollten. B i 1 e s k i erhält das Wort als Vertreter des Präsidiums. Nach einer Einleitung, in der er die Grüße des Präsidiums übermittelt, wendet er sich zum Thema Ringbildung. Er verzichtet Stellung zu nehmen zu den Kampfmethpden der Ringanhänger und beschränkt sich auf die sachliche Erörterung ihrer Argumente. Er widerlegt die Behauptung, das Kartell Habe in der Keilarbeit kläglich versagt, an Hand des Zahlenmaterials und wendet sich gegen den Einwand, die Entwicklung des Kartells und die hoffnungslose Lage der meisten Verbindungen rechtfertigten die RingbilJung. Sodann behandelt er das dritte Hauptargument der Ringbildner, nämlich daß die bestehenden menschlichen Gegensätze die Ringbildung erforderlich machten. Er hält eine solche Einteilung für unmöglich, ebenso wie eine andere nach Anhängern und .Gegnern der Galuth-Arbeit. Er verwahrt sich dagegen, daß eine Richtung die Forderung nach Disziplin als ihr Monopol betrachte. Zum Schluß teilt er die Absichten des Präsidiums in der Außenarbeit mit und stellt dar, wie störend die Breslauer Aktion sowohl auf diese wie auch auf die hoffnungverheißende innere Entwicklung des Kartells wirke. Es entspinnt sich eine längere Debatte über die Frage der Ringbildung. O o 111 i e b wünscht die Ansicht eines etwa vorhandenen jüngeren Bundesbruders, der für Ringbildung sei, zu hören. Da ein solcher nicht anwesend ist, ergreift Königsberger das Wort zu längeren Ausführungen. Biteski habe ihn nicht überzeugen können von der Unzweckmäßigkeit der Ringbildungr. Die Frage sei für die auswärtigen Bundesbrüder noch nicht genügend geklärt, um endgültig Stellung nehmen zu können. Im Laufe seiner Ausführungen entwickelt er seinen Standpunkt dahin, daß für die Aktivitas die Ringbildung Im Hinblick auf die Werbetätigkeit wohl unerwünscht, für die Altherrenschaft aber zweckmäßig sei, insbesondere unter dem Gesichtspunkte der Stellung zur Galuth-Arbeit. Fischer erwidert auf Königsbergers Ausführungen. Er wendet sich gegen diejenigen, die die Weiterentwickelung des Kartells und die hieraus *■) Der Bezirksverbandstag hat auf eine Anregung Königsbergers beschlossen, das Wort „Keilärbeit" als unzeitgemäßes Ueberbleibsel eines geschmacklosen Studentenjargöns künftig nach Möglichkeit zu vermeiden und durch die Bezeichnung „Werbearbeit*1 zu ersetzen.