Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 15 (1918-1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Juni 1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Rosenßaum, Unbedingte Satisfaktion 21 Aber gerade unsere unklare Stellung war schuld daran, daE die in den letzten Semestern vor Kriegsbeginn sich bildenden »Ringe'*-' zur ordnungsgemäßen Erledigung von Ehrenhändeln mit einem Scheine von Berechtigung unsere Aufnahme verweigern konnten. Verrüfe, Tätlichkeiten und Skandale, die unsere ruhige innere Arbeit mehr als jede Mensur störten, waren die unabweisbare Folge. Schließlich mußten wir lürchten, bei einem weiteren Verharren in unserer dem Individualismus oder dem sogenannten jüdischen Empfinden entgegenkommenden Stellung; zur unbedingten Satistaktion eine Menge tüchtiger, entschlußfreudiger Keilfüxe zu verlieren. Deshalb versuchten wir durch Einführung der unbedingten Satistaktion eine klare Stellungnahme jedes einzelnen Bundesbruders einerseits und dadurch unserer Verbindungen zu den deutschen Korporationen! andrerseits zu bewirken. Daßi dadurch weder unser jüdisches Empfinden* noch unser Rechtsgefühl vollauf befriedigt wurde, war niemandem zweifelhaft. Aber unjüdisch ist die unbedingte Satisfaktion genau so viel und so wenig wie jedes andere Mitmachen der Sitten und Gebräuche der europäischen Gegenwart. Und wem ein autrichtiger zionistischer Wille innewohnt, der mußeben imstande sein, auch dann den Weg zu unserer jüdischen Gemeinschaft zu finden, wenn er dies oder jenes, eine Mensur oder eine Kneipe, mitmachen soll, die ihm persönlich nicht ganz behagen. Genau so, wie wir unser Hauptziel, unsere zionistische Erziehung, zu befolgen, daneben aber weder Grund noch Veranlassung haben, allerhand schönen modernen Ideen zum Leben zu verhelfen; denn ein solches Ziel verlangt einzige, ungeteilte Liebe. Wir Juden haben oft genug und ohne Dank den anderen die Kastanien aus dem Feuer geholt. Daraus ergibt sich1 unsere Stellung zur unbedingten Satisfaktion klar und unabwendbar. Wir machen sie mit, solange sie an deutschen Hochschulen Plattform des Verkehrs in Ehrenhändeln bleibt. Sie ist aber kein Programmpunkt des K. J. V. Es ist möglich-, daß nach dem' Kriege eine Aenderung des ehren* gerichtlichen Kodex in Offizierkreisen und — in für Deutschland gegebenem Anschluß daran — auch in Hoch schulkreisen erfolgen wird. Dann wollen wir von Herzen die Einführung allgemeiner Schiedsgerichte begrüßen und mitmachen. Zumal wir heute gewiß sagen können, daß die Mehrzahl unserer Bundesbrüder körperlichen Mut und sittlichen Ernst genugsam bewiesen hat. Vorkommnisse, wie sie noch den Königsberger Kartelltag beschäftigten, dürften heute bereits unmöglich sein. Es ist aber der Mehrzahl der K. J. V.er auch um unsere jüdischen Dinge heute viel mehr ernst, als vor den Erlebnissen dieser Kriegsjahre. Um so mehr werden wir auch bereit sein, Nebensächlichkeiten, auch wenn sie unserem Empfinden nicht entsprechen, mitzumachen, wenn sie als Produkte des Galuthi hinzunehmen und für die Stellung des K. J. V. in Deutschland zweckmäßig sind. Drüben werden wir auch in diesen Nebensächlichkeiten des täglichen Lebens ganz unserem eigentlichen Geschmack leben können.