Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 10-12 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3537599-3537721-3537729--4199-3541945- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
82 Der Jüdische Student Der Jüdische Wille Ungefähr gleichzeitig mit diesem J. St. wird endlich das erste Heft unserer öffentlichen Zeitschrift erscheinen; Ihre Herausgabe entspringt einem doppelten Bedürfnis. Sie soll zuerst und vor allem ein Instrument unserer Werbearbeit sein. Als solches wird sie seit langem so sehnsüchtig vermißt, daß. man mehr ihr langes Ausbleiben als ihr Erscheinen zu rechtfertigen hätte. Aber sie hat auch noch eine weitere Aufgabe, die die erste in sich schließt. Die Fülle der Fragen, vor die wir uns gestellt sehen, und die aktive Anteilnahme aller an ihrer Erörterung hat im Grunde längst den engen Rahmen des internen I. St. gesprengt. Was da in den Heften dieser Kriegsjahre zur Debatte stand, waren nicht mehr reine K. I. V.er- Fragen, die unter dem Siegel „streng vertraulich" als Sondergeheimnis unseres engen Kreises gehütet werden mußten. Es waren vielmehr die Probleme des deutschen Zionismus, diskutiert von dem bei weitem wesentlichsten Teil seiner Organisation. Daß wir trotzdem — infolge des äußeren Rahmens — Familiendiskussion trieben, hat der Debatte nicht genützt. Hier wuchs jeder Redende zu einem beachtlichen Sonderfall, jede Meinung, obschon von der ander ein manchmal nur durch die Betonung unterschieden, zu einem besonderen geistigen System. Die von den meisten beklagte Vermischung sachlicher mit persönlicher Auseinandersetzung, alles Kleinliche und Enge der Erörterung lag nicht im Problem, meist auch nicht in den Gedanken darüber, sondern in der Form der Behandlung, die ihr durch den äußeren Rahmen zuteil wurde. Diskussion noch der größten Fragen wird im Familienkreise leicht zum Gezänk. Ma,n Erweitere das Forum, und das Niveau wird sich automatisch heben; man spricht vor einem fremden Publikum sachlicher, gründlicher und mit einem größeren Maße von Selbstkritik. Außerdem hat der j. St. als Organ für Fragen unserer äußeren und inneren Kartellpolitik keinen Raum für die Behandlung von Dingen, die nicht für uns in unserer Eigenschaft als K. J. V.er unmittelbar imd augenblicklich von Bedeutung sind. Dadurch fehlte sicher manchem Anregung und Anlaß, sich mit einer Frage, die ihm besonders am Herzen lag, in der Gründlichkeit auseinanderzusetzen, die eine Veröffentlichung im Drude erfordert. Erst unsere öffentliche Zeitschrift kann zeigen, wie weit tatsächlich der Rahmen unsrer Interessen und wie großi der Kreis Von Bundesbrüdern ist, die zu einer fernsten und sachlichen Klärung unserer Ideen fähig und bereit sind. Diese doppelte Aufgabe unserer Zeitschrift, für andere und gleichzeitig für uns selbst zu sprechen, läßt sich aufs beste in Einklang bringen. Es wäre irrtümlich anzunehmen, daß; wir die teste Wirkung erzielen, wenn wir uns auf das Niveau irgeind eines ^gedachten Normaltyps von Keilfuxen einstellen. (Ganz abgesehen llavpn, daß, es für uns unmöglich und unerträglich wäre, monatlich ßkh Heft mit Dingen zu füllen, die sich jeder von uns an dein Schuft-