Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 6-9 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
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66 Derijüdische Student >■ N Alf red Wolf f *) Es ist eine Dankespflicht im Namen der vielen, die Alfred Wplff ein gut Teil ihres Lebensglückes verdanken, wenn ich seiner in tiefer Trauer und herzlicher Dankbarkeit gedenke. Ich will nicht von seiner reichen Persönlichkeit hier sprechen. Das ist bereits von berufener Seite geschehen. Welch große, einzigartige Kenntnis er in vielen Wissenschaften besaß, welche Arbeitsfreudigkeit und Begabung, wußten viele unter uns; nicht aber, wie sich all die tausend Dinge, die sich in Zetteln, Fächern, rieften bargen, immer mehr rundeten zu großen, zusammenfassenden Aufgaben, die sich letzthin um das Phänomen des jüdischen Wesens1 drehten., Es| tyar immer eine Freude, ihn von seiner Arbeit reden zu hören; stets regte er an und!jab; nur .dem, der oberflächlich zuhörte, schien sein staunenswertes Wissen ^oberflächlich; allerdings kam stets seine Freude am Formalen, das *er manchmal etwas weit trieb, hinzu. Wer ihn näher kannte, sah erst, mit welcher Kraft und Tiefe er nach gründlicher analytischer Durchdringung der vielen Stoffgebiete die großen Probleme, die sich ihm boten, zu formen wußte. Nicht von all dem sei hier eingehender die Rede, sondern von *der besonderen Güte, die er uns Jüngeren entgegenbrachte und die sein .Menschsein charakterisieren. Manche von uns lernten ihn als Lehrer kennen; damals machte zuerst seine interessante Persönlichkeit, die so von den OberlehrQrkarikaturen, unter denen wir seufzten, abstach, tiefen Eindruck auf uns. Sein Unterricht gab spielend große Zusammenhänge, mehr wert, als alle Grammatik; und 'vermittelte doch Wissen genug. Von den ersten Tagen ab ließ er die ihn interessierenden Schüler nicht mehr los, und nichts ist bezeichnender für seine gütige und mit Hingabe jüdisch arbeitende Art, als daß er uns, die ihn am wesentlichsten doch als Keilfüxe fesselten, von nun an während dreier Jahre zwei bis dreimal in jeder Woche abends zu sich einlud, und dies bei seiner knappen, arbeitserfüllten Zeit. Diese Abende, in denen er mit uns über alle Fragen persönlichster und wissenschaftlicher Art sprach, auf alle unsre Sorgen einging und in denen er uns so zielbewußt unseres Judentums bewußt machte, werden uns vorbildlich;und unvergeßlich sein. -^So zog er manche an sich heran, immer eingehend auf eines 'jeden Persönlichkeit und doch sich nie verlierend, immer mit dem höchsten Zweck, aus möglichst vielen ganze Juden und V. J. St.er zu machen. Und als wir aktiv wurden, bewahrte er uns sein Interesse, und jeder von uns hat die Erfahrung oft genug gemacht, in ihm den treusten und zuverlässigsten Freund zu haben. Er war selbstlos genug, uns unsrer eigenen Entwicklung im Kartell zu überlassen, die andre Wege mancrrrnal ging als seine; und wenn mancher von uns sich gegen seine objektiv-kritische Art oftmals wenden zu müssen glaubte, dann hatte er seine Abwehr: _,,Laßt mir meine Persönlichkeit wie ich euch die eure; wir wollen sehen,