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Der jüdische Student · 1917-01-01 · Sommer-Semester (1917) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
13 (1916-1917)
Issue
Sommer-Semester (1917)
Date
1917-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Der Jüdische Student Zeitschrift des Kartells Jüdischer Verbindungen Sommer-Semester 1917 In der Geschichte des jüdischen Volkes hat steh ein Ereignis von ungeheurer, noch nicht zu fibersehender Tragweite vollzogen. Wir müssen schon bis zur Vertreibung der Juden aus Spanien zurückgehen, wenn wir einen Vorgang von annähernd gleicher Bedeutung finden wollen. Doch diesmal ist es zum Gluck nicht wieder eine der Katastrophen, an denen unsere Geschichte so reich ist. Diesmal ist es ein glückverheissender Wendepunkt: die Juden Russlands, fünf Millionen von uns sind aus der Knechtschaft befreit worden. Wir haben einen neuen Pessach, einen neuen Auszug aus Aegypten in unserer Geschichte! Die Juden Russlands hören auf, blosse Objekte der russischen Gesetzgebung zu sein, und treten als gleichberechtigte Subjekte in den Völkerkreis ein. Sie hören damit auch auf, Objekte der westjüdischen Mildtätigkeit zu sein. Für diejenigen, die in den russischen Juden nur die unglücklichen Brüder im Osten sahen, denen man in der Not Hilfe leistete, wird vielleicht mit der Quelle des Mitleids auch die letzte Quelle der Verbundenheit versiegen. Für uns nationale Juden eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten judischen Wirkens, wenn der stärkste Teil des judischen Volkes als befreiter Kämpfer auf den Kampfplatz tritt. Wohl ist damit zu rechnen, dass sich mit der Emanzipation eine neue Welle der Assimilation nun auch über das russische Judentum ergiesst. Doch die Art, wie auch der nichtzionistische Teil der russischen Judenheit in den ersten Tagen des russischen Völkerfrühlings auf der Emanzipation reagiert hat, wie dort das offizielle Judentum sich nicht mit der Gleichberechtigung des Einzelnen begnügte, sondern nationale Rechte für die Gemeinschaft forderte, erweckt die Hoffnung, dass jene Welle sich an einem immer mehr erstarkenden jüdischen Volkskörper brechen wird. Wir aber fühlen: nicht nur unsere Brüder sind befreit, wir selbst sind miterlöst, denn ihre Knechtschaft war unsere Knechtschaft, ihre Freiheit ist unsere Freiheit! In dieser glückverheissenden Stunde erneuern wir das Gelöbnis: „Um Zions willen will ich nicht schweigen und um Jerusalems willen nicht ruhen".

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