Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 12 (1915-1916)
- Issue
- Heft 5-6 (26.1.1916)
- Date
- 1916-01-26
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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114 Der Jüdische Student Das erste Jahr des K.J. V. Bericht -des Präsidiums Wir erstatten hiermit den Bericht über das erste Jahr des K.J.Y., den wir unter normalen Verhältnissen etwa um diese Zeit dem Kartelltag vorzulegen hätten. Kaum zwei Wochen nach der Fusion unserer beiden alten Verbände brach der Krieg aus, und so schwer er uns auch sonst getroffen hat, so bewirkte der Zwang der Ereignisse doch das eine Gute, daß er die erst äußerlich bestehende Fusion mit einem Schlage ein mächtiges Stück vorwärtsbrachte, eine Strecke, die wir sonst vielleicht erst in Jahren zurückgelegt hätten. Die Empfindung, daß mit einem Schlage Grundlagen unserer Existenz ins Wanken gerieten; die Erwägung, daß bei jeder Weifkatastrophe das jüdische Volk in seiner Macht- und Haltlosigkeit am schwersten getroffen wird; die Tatsache, daß uns die Mobilmachung sofort einen großen Teil unserer Bundesbrüder entzog und damit den Bestand des Kartells in Frage stellte — alle diese Umstände wirkten in dem Sinne zusammen, daß die Verbliebenen das Gefühl der Verantwortung für die Erhaltung dessen, was uns bis dahin das Wichtigste gewesen war, aufs tiefste empfanden. So betrachteten wir es geradezu als ein Glück, daß wir uns noch rechtzeitig die Möglichkeit gemeinsamer Arbeit geschaffen hatten. Diese Wirkung der äußeren Ereignisse erleichterte alle auf die innere Durchführung der Fusion gerichteten Bestrebungen außerordentlich. Die zweite, und unter den herrschenden Umständen schwierigere Forderung der Zeit war die Aufrechterhaltung des Kartell- und Korporationsbetriebs. I. Der Bestand des Kartells; die V.J. St-en Bis zum Beginn des Winter-Semesters 1914/15 war bereits ein Drittel aller Bundesbrüder zum Heere einberufen, und es erhob sich die Frage, ob und inwieweit es möglich sein werde, in sämtlichen V.J.St.-en den Korporationsbetrieb aufrecht zu erhalten. Grundsätzlich war das Präsidium bereit, allen Wünschen nach. Erhaltung der einzelnen Verbindungen zu entsprechen, auch da, wo die Unterhaltung mehrerer V. J.St.-en an einem Orte verständiger Erwägung als eine Kraftvergeudung erscheinen muß (was unseres Erachtens unbedingt für Freijburg und Breslau,.