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Der jüdische Student · 1915-07-09 · Heft 2 (9.7.1915) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
12 (1915-1916)
Issue
Heft 2 (9.7.1915)
Date
1915-07-09
Page
[Seite] (sequence 32)
Language
German
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Bücher. Älfous Paquet, In Palästina. Verlegt bei Eugen Diederichs in Jena 1915. Preis brosch. 3.—, geb. 4— M. Ich darf im wesentlichen auf die Besprechung verweisen, die das schone Buch durch Calvary in der „Jüdischen Rundschau" erfahren bat. Es ist mehr als die Dichtung vom Lande Palästina. Es ist auch kulturpolitische Spekulation über die geistige Erneuerung Deutschlands und Europas, gegeben von einem Manne, dessen' aus christlichem Bc:*'-n erwachsenes Denken und Dichten leidenschaftlich erregt ist durch den Besuch des Landes, von dem schon einmal das Heil ausgegangen ist. Er begreift den Zionismus, als die Sehnsucht der luden nach Heimkehr und Einkehr, aus den Wünschen seiner deutschen Seele, in der es klingt: „Was bedeutet unseren Herzen, die glauben und sich verschwenden wollen, der wissenschaftliche Monismus und der energetische Imperativ!!*' und die erfüllt ist von „den Erwarten eines entscheidenden Ereignisses im deutschen Geistesleben, das mit dem kleinen bäuerlichen Haufen der Templer in Palästina eine immer größere Schar der Gleichgesinnten im Mutiervolk verbindet". Ja, indem er mehr prophezeit als daitut, „daß, wer hinausgeht und dort draußen eine geistige und' rechtliche Stellung sich schafft, am stärksten einst zurückwirken wird auf das alte Europa", wird ihm — so scheint es fast — der Zionismus zu einem Oberbegriff für alles Streben nach Einheit, Glauben, Erneuerung. Und er erwartet von dem Aufleben des Judentums, .,dessen Probleme im Zionis'mus gesammelt sind,k große, vielleicht entscheidende Wirkungen. fr Alfred Knobloch, Gläserne Wände. Roman. Verlag Morawe fr Scheffelt in Berlin. Preis M. 4 brosch., M. 5.50 geb. Dieser neue Judenroman aus der Feder eines Berliner Rechtsanwalts, früheren Oberbürgermeisters von Bromberg, kann den Bundesbrüdern sehr empfohlen werden. Wieder einmal ist es (trotz des Namens', kein Jude, der das Problem des modernen Juden dichterischer, kraftvoller gestaltet hat, als es je ein westjüdischer Schriftsteller vermocht hätte. Der Roman des genialen Kaufmannes, der aus bescheidenen, kleinjüdischen Verhältnissen zu großer, industrieller Macht emporsteigt, und sich, in dem Maße, wie sich seine Kinder dem Judentum entfremden, seiner Art immer mehr bewußt wiid, wäre vielleicht - von einem Juden mit größeren psychologischen Feinheiten ausgestattet werden. Den Juden hätie waiirscheinlich die — hier in Alideutungen stecken bleibende — Figur des blasierten Sohnes mehr gereizt. Knobloch versenkt sich in den Charakter des Vaters, eines Mannes „vom alten Schlage', und die Tragödie der jüdischen Dekadenz gelangt so zur Darstellung, daß sich ihre Eindrücke in der Seele dieses einfachen, entschiedenen Mannes erschütternd widerspiegeln. Der kennt keine Probleme, derer ei nicht Heir werden könnte. Als sich seine Tochter einem Christen vermählt, bricht er zwar zusammen, aber auf seinen Grabstein läßt er die Worte setzen: „Ich war Deutscher und bin Jude geworden!" fr Kriegsbriefe deutscher und österreichischer Juden. Herausgegeben von Dr. Eugen Tannenbaum. Neuer Verlag, Berlin. 1915. Man wird diesem Buche Geschmack nur abgewinnen können, wenn man es als ein kulturgeschichtliches Dokument betrachtet. Die Briefe, die es enthält, sind an und für sich literarisch belanglos. Und, daß es jüdische Soldaten gibt, die sich ihres Judentums im Schlachtenlärm erinnern, ist unserer Zeit nicht merkwürdig genug, als daß es ihr — so ausfuhrlich hätte dargetan werden müssen. Aber späteren Geschlechtern wird es wertvoll sein, zu wissen, daß man damals in großen europäischen Zeiten schon (oder — noch) so stark jüdisch gefühlt hat. Darum ist die Sammlung der Briefe ein verdienstvolles Werk. Daß der „Jüdische Verlag" hier unter dem Namen „Neuer Verlag" auftritt, ist höchst erstaunlich. fr Druck: Huchdruckcici \\ ühch.ia K. Saling & Co., Ik-rlin SVY , I lt.Ihn ain^lr. r>

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