Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 6 (30.9.1913)
- Date
- 1913-09-30
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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210 vortrage und das zionistische Kino, das hoffentlich in allen jüdischen Zentren Gastspiele geben wird, und den von etwa 1200 Personen besuchten Akademischen Festakt, bei dem der Redner des B. J. C, Blumenfeld, bei weitem am besten gesprochen hat. Den Höhepunkt der Kongreßveranstaltungen bildete zweifellos das Turnfest. Der Einzug der 1400 Turner, Turnerinnen und Blauweißen erregte eine unbeschreibliche Begeisterung, das Geräteturnen der A^änner zeigte ein erstaunlich hohes Niveau, das Fußballmatch zwischen der Hakoah und einem Budapester Sportklub war eine anerkennenswerte sportliche Leistung. Mir persönlich waren die Freiübungen der Männer und Frauen das eindrucksvollste Bild. Wenn hunderte von jüdischen Turnern ohne Kommando im Takt die gleichen Bewegungen ausführen, dann sehe ich, daß wir den uns nachgesagten Individualismus auch überwinden, daß wir uns einem einheitlichen Ganzen einfügen können, und dann fühle ich mich denjenigen überlegen, die uns Juden die volksbildnerische Kraft absprechen. Zum Schluß ein Wort über die V. J. St.-er auf dem Kongreß. Es war wiederum eine ziemlich große Anzahl anwesend; anzuerkennen ist, daß gerade von den jüngeren Bundesbrüdern eine ganze Reihe es möglich gemacht hatte, nach Wien zu kommen. Auch unter den Delegierten waren die V.J. St.-er zahlreich vertreten, die deutsche Landsmannschaft bestand zu einem erheblichen Prozentsatze aus V. J.St.-ern. Trotzdem hatte man den Wunsch, daß unter den Delegierten die Zahl der durchgebildeten und disziplinierten Zionisten, wie sie der B. J. C. erzieht, noch größer werden möge. Aber mit diesem Wunsche verbindet sich eine Forderung an unsere Bundesbrüder auf dem Kongreß : Es ist ja selbstverständlich, daß nicht alle V.J.St.-er in den einzelnen zionistischen Streitfragen den gleichen Standpunkt einnehmen. Aber eines sollte man von den V.J.St.-ern verlangen können: nämlich daß sie ihre sachlichen Meinungsverschiedenheiten in bundesbrüderlicher Weise zum Austrag bringen, daß wir nicht durch persönliche Gehässigkeiten der V.J. St.-er gegeneinander kompromittiert werden. „In Freundschaft zusammenstehend" — so wollen wir den Kampf für unsere Idee auch dann ausfechten, wenn sachliche Gegensätze uns in verschiedene Lager führen.