Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 6 (30.9.1913)
- Date
- 1913-09-30
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Der Jüdische Student 207 die sein Schöpfer benutzte, sondern daß die nationale Idee ihm seine Eigenart und Größe verleiht. Aber auch in gegenständlicher Beziehung dürfte der * Vorwurf, der Zionsnuis sei kleiner geworden, gerade durch den letzten Kongreß, entkräftet sein. Kein Teil der Verhandlungen hat eine derartige Begeisterung bei Delegierten und Tribünenpublikum hervorgerufen wie die Universitätsdebatte. Fast einmütig spradi sich der Kongreß für die Gründung einer Universität in Jeiusalem aus, und gerade diejenigen traten am wärmsten für das Projekt ein, die man als die Anhänger des sog. praktischen Zionismus zu bezeichnen pflegt. Die Gründung einer Universität! ist gewiß kein Unternehmen, das im Rahmen einer bloßen Kdonisationsbewegung — und sei' sie noch so großzügig — liegt; sondern nur eine Volksbewegung, die die physische uard kulturelle Wiedergeburt einer ganzen Nation zum Ziele tat, wird an derartige Pläne herangehen. Man hat gegen das Universitätsprojekt eingewendet, daß wir zur Zeit dringendere Aufgaben in Palästina hätten. Vor allem Zlocisti sprach skh gegen es aus, mit der Begründung, erst brauche man Volksschulen, cmn kämen die Gymnasien, mit deren Gründung aan ebenfalls voreilig gewesen sei, und ganz zuletzt, wenn cfes Land dazu reif sei, die Universität. Wenn man aber Gyiamasium und Universität an den Anfang stelle, so kehre man die natürliche Entwicklung um, und man trage in das Land einen Intellektualismus und geistige Prätentionen hinein, deren Ueberwindung wir gerade erhoffen. Die Logik dieses Gedankengangs hat etwas Bestechendes, und doch führt sie geradfe irre. Denn das Leben verfährt eben nicht nach den Geseten der Logik. Tatsache ist, daß heute bei den palästinensischen Kolonisten fast dieselben geistigen Aspirationen bestehen, wie bei den anderen Juden, daß also viele ihre Söhne studierei lassen. Das wird man von unserem Standpunkte aus bedauern, aber die Tatsache läßt sich nicht unterdrücken. Die soziale Umschichtung der Juden wird sich eben auch nur viel langsamer vollziehen, als wir wünschen und gehofft hatten. Jedenfalls wffrde man durch die Nichtgründung der hohen Schulen nicht das Bedürfnis unterdrücken, sondern die jungen Palästinenser auch weiterhin ins Ausland treiben, wohin sie heute geht. Dort werden sie entjudet und die wenigsten von ihnen rnögfn in die Heimat