Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (20.8.1913)
- Date
- 1913-08-20
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 157 hoch auf einer Felsenkanzel des Kenaan gesessen hat, zu den Füßen das schmucke Dorf, drüben den Hulesee, aus dem der Jordan in rauschendem Laufe zum Tiberiassee hinabfällt, überragt vom weißen Hermongipfel, wird dieses Bild nie vergessen. Weiter geht die Wanderung nach der Felsenstadt Saffed, auf Wegen mit immer neuen landschaftlichen Reizen, über Migdal wieder zum Tiberiassee zu der Stadt, die ihm den Namen gibt Ueber Nazareth langen wir wieder in Merchawjah an und fahren mit der Bahn nach Haifa, jener Hafenstadt am Fuße des Karmel an der palmengeschmückten Bucht von Akko. Der zweitägige Aufenthalt gibt uns Zeit, alles Sehenswerte, besonders das neue jüdische Technikum zu besichtigen. Am Sabbathausgang vereinigen wir uns zu einer Weinkneipe, wo bei frohem Sang und launigen Worten noch einmal all* das Schöne an uns vorüberzieht. Ein fröhliches Wandern war es, wenn auch der Rucksack bisweilen drückte, und der Himmel uns den allerschönsten Sonnenschein kosten ließ. Voran die Vorhut, die das Tempo angab, hinten der Nachtrab, der keinen zurückbleiben ließ. Nahten wir uns einer Kolonie, so formte sich stramm die Marschkolonne, denn auf schmucken Rossen, das Gewehr über dem Haupte schwingend, nahte mit unzähligen Alarmschüssen die jüdische Jugend des Dorfes. Es dauerte wenige Stunden,, und wir fühlten uns daheim; der größte Teil war ja meist Gäste der einzelnen Kolonisten. Nur daß wir so wenig hebräisch konnten, ward uns mit Recht verübelt; die meisten von uns waren auf das deutsche Radebrechen angewiesen, während sie dem fröhlichen hebräischen Geplauder und den Begrüßungsreden nicht folgen konnten. Ich glaube, das wird bei uns bald besser werden. Die Kolonisten führten uns mit Stolz durch ihre prächtigen Plantagen und zeigten uns die Pflege der Pflanzen* vom kleinen Schößling bis zum großen Baume. Hier ging uns Städtern, die ihre Mietswohnungen alle paar Jahre wechseln, eine Ahnung von dem auf, was es heißt, auf eigenem Boden zu stehen, den man selbst bearbeitet hat, und mit dem man sich eng verbunden weiß. Der Abend bringt oft große Feste mit Vorträgen aller Art; da es dabei bisweilen sehr spät wurde, und der Abmarsch zu früher Stunde geschah, kam der Tanz, sehr zum Leidwesen des schönen Geschlechts (es trägt dies Epitheton