Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (20.8.1913)
- Date
- 1913-08-20
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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156 Der Jüdische Student und im Jordan zu nehmen, in Jericho bleiben wir zur Nacht und kehren durch romantisches Gebirgsland nach Jerusalem zurück. Auch Bethlehem und die gewaltigen Talsperren der salomonischen Teiche werden besichtigt. Ein Nachtmarsch nach Mozah, zu jener Cypresse, die einst Herzl mit eigener Hand gepflanzt hat, und die jetzt ein stolzer Baum geworden ist, hinterläßt tiefe Eindrücke. Wir verlassen nach fünf Tagen Jerusalem und kehren mit der Bahn nach Lydda in Judäa zurück, besuchen die größte Kolonie Pethach-Tikwah. Wir verlassen dann Jüdäa und wandern weiter nach Samaria. Das Gelände steigt an, der Marsch wird beschwerlicher, aber immer abwechslungsreicher. Zur Linken fällt das Land steil ab, zum Meere hin die fruchtbare Saronebene freilassend. In Atlit, früher eine alte Seeräuberburg, jetzt eine jüdische agronomische Versuchsstation, stehen wir am Fuße des Karmel. Je weiter wir nach Norden kommen, desto großartiger wird die Szenerie. Bald über Hochplateaus, bald durch romantische Schluchten, an rauschenden Bächen vorbei führt der Saumpfad über das Karmelgebirge. Als wir die Höhe erreichen, bestrahlt die Nachmittagssonne die alte Schlachtenebene Jesreel, die so friedlich daliegt, als hätte sie nie von Schwertergeklirr und Rossegestampf widergeklungen. In langer Reihe klettern wir hinab. Der Kison ist angeschwollen und muß durchwatet werden, was mit viel Humor, aber auch viel Zeitverlust geschieht. Die Nacht überrascht uns, wir sind gezwungen, Notquartier zu beziehen. Ein Lager auf den Eisenbahnschienen, da die Ebene sehr feucht ist. Durch die schweigende Dunkelheit klingt das langgezogene Heulen der Schakale. Am andern Morgen erreichen wir Merchawjah, die Oppenheimersche Siedelungsgenossenschaft. Von hier aus geht unser Weg, an der stolzen Kuppe des Tabor vorbei, nach Poriah, das am Felsenabhang liegt. Zu Füßen der Tiberiassee, wie ein schimmerndes Auge in der Felsenumrahmung. Drüben das weiße Schneehaupt des Hermon in majestätischer Pracht! Das schönste Stückchen Erde, das ich kenne! In Kinereth und Daganiah, den beiden genossenschaftlichen Siedelungen am See, fühlen wir uns bald zu Hause, und erfrischende Bäder wechseln mit Besichtigungen der Plantagen. Mit dem Motorboot erreichen wir Tapcha, von wo aus ein Gebirgsmarsch uns nach dem herrlich gelegenen Rosch-Pinah bringt. Wer