Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 2 (31.5.1913)
- Date
- 1913-05-31
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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36 Der Jüdische Student klug handeln, wenn wir teilnehmen und uns bemühen, in studentischem Sinne lebensfähig zu bleiben. Ich will nebenbei bemerken, daß der Zweck der Ringbewegung, das Mensurwesen von der ihm heute anhaftenden Unhonorigkeit und Pöbelhaftigkeit zu befreien, mir durchaus begrüßenswert* erscheint Auch abgesehen von dieser aktuellen Frage würde die Einführung der unbedingten Satisfaktion uns in der Studentenschaft sehr nützen. Jeder, der einmal außerhalb von Berlin Vereinsgeschäxte geleitet hat, weiß, welche Schwierigkeiten uns bei jeglichem Verkehr mit anderen Korporationen unser Satisfaktionsstandpunkt bereitet. Die Einführung der unbedingten Satisfaktion würde uns sofort eine wesentlich angenehmereStellungverschaffen. Das sind die Zweckmäßigkeitsfragen, die, wie ich mir eigentlich gedacht hatte, bei der Diskussion über die unbedingte Satisfaktion heute noch aliein zu erörtern wären. Es scheint jedoch erforderlich zu sein, auch die innerlichen Gründe darzulegen, welche die Einführung der unbedingten Satisfaktion notwendig machen. Ich bin nämlich so assimilantisch, für meinen Standpunkt innerliche Gründe anzuführen. Diese bestehen freilich nicht darin, daß ich an eine Wiederherstellung der gekränkten Ehre glaube. Aber ich behaupte, daß es Momente gibt, aus denen hervorgeht, daß die Einführung der unbedingten Satisfaktion nicht „unserer Tendenz ins Gesicht schlägt," sondern aus jüdischen Gründen notwendig ist. Bevor ich jedoch die positiven Gründe bringe, will ich zunächst, nachweisen, wie gerade dieser wichtigste Punkt^ von Holdheims Beweisführung nichts als eine schiefe Konstruktion darstellt. Holdheim begründet seinen Standpunkt, daß wir aus jüdischen Gründen offiziell die unbedingte Satisfaktion nicht einführen dürften, mit einem Vergleich unserer Stellung zum Religionsgeselz. Leider hat er in diesem Augenblick völlig vergessen, daß wir doch von B.J.C. wegen unsere Leute zum Satisfaktionsstandpunkt erziehen. Ich glaube nicht, daß Holdheim dasselbe für den Abfall vom Religionsgesetz behaupten wird. Dieser eine Unterschied zeigt deutlich, wie falsch Holdheims - Begründung ist. Es ist doch selbstverständlich: ebensowenig wie wir unsere Leute zum Abfall erziehen dürfen, weil dies allerdings unjüdisch wäre, ebensowenig dürften wir sie mit voller Absicht zur Satisfaktion erziehen, wenn hierin, etwas