Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 10 (28.1.1913)
- Date
- 1913-01-28
- Page
- [Seite] (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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364 Der Jüdische Student Dieses Programm hat meinen vollen Beifall nicht finden können. Und ich habe meine Bedenken dem Palästina-Amt mitgeteilt. Ich will zunächst die Rückfahrt von Jerusalem nach Jaffa ausschalten, und dafür am Beginn den Aufenthalt in Jaffa um einen Tag verlängern. Die drei Tage, die auf Verluste durch die Schiffahrtsanschlüsse gerechnet werden, sollen dazu benutzt werden, den herrlichen Gebirgsweg von Jerusalem nach Nablus, und den Wiesenweg nach Chedera, Sichron-Jacob und Haifa zu nehmen. Für die ganze Tour rechne ich mit Besichtigungen und Rast in den Kolonien 6 Tage. Sie ist anstrengend und zwingt zu zwei Zeltübernachtungen, ist aber landschaftlich von höchstem Reiz. Wichtig erscheint mir auch ein Ausflug zum Toten Meer, der zwei Tage in Anspruch nimmt. Es ist auf bequemen Wegen zu Fuß zu machen. Aber da die Gebirgstour nach Nablus sich anschließen wird, so werden die Alten Herren die Wagen für die Jerichotour als Belohnung zur Verfügung stellen. (Hoffe ich.) Der Aufenthalt in Palästina wird somit 28 bis 29 Tage währen. Neue Kosten werden der Gruppe durch diese Verlängerung nicht entstehen, da die für Unvorhergesehenes angesetzte Summe von 57 Franken in einem Gesamtetat von 180 Franken (mehr als 30%!) doch gar zu ängstlich aufgestellt ist. Für alle unübersehbaren Zufälle wird zudem der Garantiefonds, den ich aufbringen werde, eintreten müssen. Die Rückfahrt werden wir am 20. April von Haifa antreten. Wir landen in Port Said am 21. April. Hier wird sich — wie bei der Hinreise — wieder ein zweitägiger Aufenthalt in Aegypten ergeben. Am 24. April, mittags 1 Uhr, geht das Eilschiff von Alexandrien ab. Landung in Triest am 27. April. Ankunft in München am 28. April früh. So Gott will, werden wir frisch, fröhlich und (auch wenn wir den letzten Pfennig ausgegeben haben) reich heimkehren. Diesen Erfolg aber hoffen wir durch die genaue Innehaltuug bestimmter Grundsätze zu erzielen. Sie sind in die folgende Instruktion aufgeteilt: A. 1. In der Studentengruppe dürfen Herz- oder Nierenkranke nicht mitreisen. 2. Alle Teilnehmer benutzen die Wochen bis zur Abreise, um sich tüchtig einzulaufen. 3. Jeder hat seine Paßverhältnisse zu regeln (Polizei, Bezirkskommando, türkischer Konsul). Nur in bestimmten Fällen kann (ohne Schaden!) von der Beibringung eines Passes abgesehen werden. (Vorher mitteilen!) 4. Wir erwarten, daß jeder minderjährige Teilnehmer die Erlaubnis seiner Eltern besitzt. 5. Der Besitz eines Taschengeldes von 30—50 Mark ist nicht verboten. B. Kleidung, a) ein Paar doppelsohlige, bequeme, hohe gelbe (oder* braune) Schnürstiefel, b) ein Paar Turnschuhe, c) ein Paar Wickelgamaschen (wasserdicht), d) 10 Paar wollene lange Strümpfe (oder 5 Paar Fußlappen und 5 Paar dünne Strümpfe lang, oder 12 Paar Socken und 2 Paar lange Ueberstrümpfe), e) 4 Paar Unterhosen, f) 3 Netzhemden, g) 3 Jägerhemden (mit Umlegekragen oder mit anknöpfbaren weichen Kragen), h) 1 Krawatte, i) 1 Sweater, k) 2 Nachthemden, l) ein Anzug (Touristenanzug mit Kniehosen aus hellfarbigem Lodenstoff — grau, kaki, mode — oder Velveletonstoff, viele