Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 9 (17.12.1912)
- Date
- 1912-12-17
- Page
- [Seite] (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 317 BUCHER Theodor Zlocisti, Am Tor des Abends. Lieder-vom Heimweg. Berlin, Jüdischer Verlag. Brosch. 2—, geb.. 3 Mark. Statt einer Besprechung zwei Proben: Am Ende Unsre Pilgerseele hat Nicht die Ernte ihrer Siege: . Ob des Greises Lagerstatt Stehn die Sterne seiner Wiege. Hast Du auch die ganze Welt — Suchend! — Jahr um Jahr durchmessen: Was Dein Herz zurückbehält, Hat er alles langst besessen. Fahrt Durch die Weiten der stöhnende Wagen fähit. Ringsum die Fremde und nirgends ein Herd. Halt ich den Blick auf ein friedliches Eck, Gleich zerrt mich neidisch der Sturm hinweg* Felder und Weiler bleiben zurück. Weißt Du, dort wohnte vielleicht mein Glück. Mein Glück, das ich erjagen wollt, ... Da bin ich gewiß vorübergerollt. Meyer Aron Goldschmidt, E i n J u d e. Ein Roman. Berlin, Alex Junker. Brosch. M. 4.—, geb. M. 5.—. Der Verlag hat sich das Verdienst erworben, ein Buch an die Öffentlichkeit gebracht zu haben, dessen Verfasser bisher in Deutschland leider ziemlich unbekannt war. Wenn es auch nicht des Verfassers bestes Werk ist, so ist es doch, und besonders für einen Juden, wertvoll genug, seine Bekanntschaft zu suchen, denn es gibt ein 'gutes Bild des dänischen Judenelends zu Anfang des 19. Jahrhunderts und schildert speziell die Zersplitterung und die ohnmächtigen Versuche eines Einzelnen, die Abstammung und strenge Erziehung zu verwischen, nachdem seine Vernunft die allgemeine Wissenschaft anerkannt hat. Goldschmidt hat sicher vieles, was er in dem Buche schildert, an sich selbst erlebt, so die unverhüllte Verachtung, der die jungen Juden auf der Schule und auf der Universität begegneten; es herrschten damals schlimmere Zustände in Dänemark als im heutigen Rußland. Goldschmidt (1S19—1SS7; 1S45 erschien „Ein Jude") gilt in Dänemark als einer der feinsten Prosa-Stilisten, als Meister der Erzählung; er schHdert mit außerordentlich scharfer Auffassung die Einzelheiten des. täglichen Lebens und weiß die leisesten Seelenregungen zu erfassen. Vorzüglich ' ist er in der.Schilderung jüdischen Lebens. Der Fehler dieses Romans besteht darin, daß er für ein Kunstwerk zu tendenziös geschrieben ist; aber trotzdem — oder gerade deshalb — hatte das Buch die gewünschte Wirkung: