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Der jüdische Student · 1912-02-28 · Heft 11 (29.2.1912) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
8 (1911-1912)
Issue
Heft 11 (29.2.1912)
Date
1912-02-28
Page
[Seite] (sequence 44)
Language
German
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372 Der jüdische Student Außerdem veranstalteten wir gerneinsam mit unseren Berliner Kartellkorporationen öffentliche Vortragsabende, auf denen Matthias A c h e r über „Chamberlain und Sombart", A. H. Emil Cohn über „den Untergang der deutschen Juden", A. H. Kurt Blumenfeld über „Assimilation und Nationalismus" sprachen. Wir fochten täglich offiziell bei unserem Fechtmeister und turnten wöchentlich einmal. Zahlreiche Ausflüge, an denen sich auch unsere Bundesschwestern beteiligten, führten uns in die Umgebung Berlins. Auf unseren wöchentlichen Kneipen konnten wir zu unserer Freude regelmäßig eine größere Zahl älterer und jüngerer Alter Herren und Inaktiver begrüßen. Ein inhalts- und genußreiches Semester geht nun zu Ende. Personalia: Die Bbr. H o r o v i t z und Rosenberg wurden A. H. A. H. Dr. J u d a bekam eine Tochter, A. H. Dr. L e v y einen Sohn. A. H G o 1 d b e r g verlobte sich mit Frl. Birkenheim. Fritz Pick bestand sein Referendarexamen, P o h 1 y sein Physikum. 15. Februar L e 1 e w e r X * * # Verein Jüdischer Studenten a.d. Universität Breslau (im B.j. c.) Farben: Gelb-hellblau-weiß Kneipe u. Briefablage: Werderstr. 15—19 Das nunmehr beendete Wintersemester begann nicht unter den günstigsten Auspizien. Es hat sich wieder gezeigt, daß die Universität Breslau — ganz zu Unrecht — von unseren Bundesbrüdern nicht gern aufgesucht wird. Demgemäß war die Zahl der Burschen und Füxe nur klein. Trotz eifriger Keilarbeit ist es uns nicht gelungen, erheblichen Zuwachs zu bekommen; besonders unser Keilen in der Stadt Breslau war erfolglos. Wenn man in Betracht zieht, daß der V. J. St. in Breslau die einzige in positiv jüdischem Sinne arbeitende jüdische Korporation ist, d. h. daß er von den eintretenden muli nicht nur die Selbstverständlichkeit verlangt, daß sie für ihre Ehre mit der Waffe eintreten und selbstbewußte Juden sind, sondern daß sie vor allem verstehen und fühlen lernen, warum und wozu sie Juden sind, wird man sich vorstellen können, wie schwer die Keilarbeit für uns ist. Wenn in früheren Zeiten schon versucht worden wäre, die jüngere Generation für jüdische Fragen und Probleme zu interessieren, so wäre unsere Keilarbeit nicht so ergebnislos gewesen; dies ist nicht geschehen. Für die Zukunft sind unsere Aussichten besser, da bei dem Nachwuchs ein regeres Interesse für jüdische Dinge zu konstatieren ist. Wer sich mit diesen Fragen kritisch beschäftigt, den muß schließlich sein Weg zu uns führen.

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