Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 7 (10.10.1911)
- Date
- 1911-10-10
- Page
- [Seite] (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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216 Der jüdische Sudent körperliche Regeneration der Juden" und sprach im Jüdischen Jugendbund „Ueber jüdische Kunst." Am 11. Juli feierten wir bei bestem Wetter und guter Stimmung unser Sommerfest, bei dem Bbr. Stein den K.V. Straßburg vertrat. Bei einer Kneipe hatten wir Gelegenheit, unter unseren Gästen Professor Orn stein aus Groningen, damals in Basel weilend, zu begrüßen. Die Schlußkneipe, vom Fuxen-Konvent den Burschen gegeben, verlief besonders harmonisch und heiter, mit ein wenig Abschiedstrauer untermischt. Der Schluß-Konvent wählte folgende Ferienkommission: Hermann Dukas, Rheinstraße 19, X a. i. Ernst Fuerst, Marienstr. 45, XX a. i. Arthur C a h n, Kassenwart, Cöln-Kalk, Kalker Hauptstr. 235. A. H. Hugo Ascher aus Naugard i. P. weilte längere Zeit in Freiburg und nahm an allen Veranstaltungen unseres Vereins mit regem Interesse teil. Er überwies unserer Bibliothek eine Reihe von Büchern. Das Gleiche taten unsere Füxe. Nun noch ein Wort über das künftige Semester: zum ersten Mal soll in einem Winter-Semester in Freiburg ein regelrechter Vereinsbetrieb veranstaltet werden, und es wird deshalb eine größere Zahl von Bundesbrüdern dieses Mal in Freiburg verbleiben. 25. August Siegfried Rosenbaum X Eine traurige Ferienchronik. Am 17. August erwiesen die Chargierten des V.J St. Freiburg unserem verstorbenen lieben Alten Herrn h. c. Moses Kaufmann die Ehrung am Grab. Den Augen der Ueberlebenden verblassen so rasch und gern die Fehler eines lieben Toten. Aber hier war ein Toter, über den nur Gutes zu sprechen war. Wenn ein Einzelner von seiner eigenen Trauer bei der Trauer vieler sprechen darf — als wir die Grabstätte verließen, hatte ich die starke Empfindung, daß die Worte, die wir wahren Verehrer des Toten in aufrichtiger Wehmut zu seinem Andenken gesprochen hatten, nicht imstande waren, das Bild dieses wahrhaft geläuterten Menschentums zu erschöpfen; daß es keinen Worten mehr gelingen werde, den Eindruck zu ersetzen, den die rührende Liebe des Verstorbenen für seine jüdische Arbeit auf uns gemacht hat. Nie kann man es vergessen — wie der ganze Mensch, der Geist und der empfindsame Körper zitterte, wenn auch in kleineren Dingen — etwa der zionistischen Agitation — ein Mißerfolg zu erwarten oder eingetreten war. Er ist als ein Jude gestorben, der sein Judentum und sein Menschentum zu innigem Einssein verschmolzen hatte. Kein glühenderer Zionist als er; keiner, der mit tieferer Liebe als er Jude war; keiner, der der Ehre würdiger gewesen ist, unser Alter Herr zu werden. Wenn wir solche Alte Herren würden wie Moses Kaufmann!