Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 4 (20.7.1911)
- Date
- 1911-07-20
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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130 Der jüdische Student — (Juni.) In den A. C aufgenommen wurden: pharm. Martin Pese aus Myslowitz, jur. Paul Sulzberger aus Wiesbaden, med. Heinrich Herrmann aus Königsberg. In den B. C. recipiert wurde Lustig, der die dritte Charge abgab, die von Melamerson und Hirschfeld gemeinsam geführt werden soll. Als unbrauchbar mußten wir den Fuxen Stein abgeben, der prompt K. C.-er wurde. Unsere Fuxenkorona setzt sich also jetzt aus vier zweitsemestrigen und elf erstsemestrigen Füxen zusammen, die uns in allernächster Zeit zu beweisen haben werden, daß sie im V. J. St. tüchtig gearbeitet und gelernt haben. Der a. B. Bieber, der uns leider verlassen hat, weil er sein Architekturstudium aufgibt, erhielt bis Ende des Semesters Generaldispens. Herr Dr. Ludwig Feuchtwanger hielt uns einen ausführlichen Vortrag über Sombarts Buch: „Die Juden und das Wirtschaftsleben". Der Vortrag wird in Schmollers Jahrbüchern im Druck erscheinen. Die Diskussion, die sich dem Vortrag anschloß, stand auf einer nicht oft erreichten Höhe. Außer dem Referenten beteiligten sich mit längeren Ausführungen unser A. H. h. c. Dr. Straus und Herr Privatdozent Dr. Vogelstein daran, die mit noch manchen anderen Herren aus akademisch-jüdischen Kreisen auch der anschließenden Kneipe beiwohnten. Außer einem Zeitungsreferat und Diskussionen des F. C fand noch ein Vortrag des Fuxen Sulzberger statt: „Die Entstehung des Talmud". Den Höhepunkt des jüdischen Lebens bildeten jedoch die fünf Tage, an denen A. H, Blumenfeld in unserer Mitte weilte. Er gab den Füxen täglich zwei Stunden Unterricht (am letzten Tage sogar zweimal) und war auch sonst dauernd mit uns zusammen. Seine Fuxenstunden, an denen auch fast sämtliche Burschen teilnahmen, erzeugten bei allen eine intensive V. J. St.-Stimmung. Diese Stimmung war manchem von uns älteren einmal wieder sehr nötig, nachdem sie lange fast vollkommen gefehlt hatte. Die Füxe haben natürlich in ihrer Entwicklung dadurch eine große Förderung erfahren, denn es gab kein Gebiet, das Blumenfeld nicht mit ihnen erörterte. Oerade diese Fuxenstunden dürften aber den Beweis erbracht haben, daß ein Fuxenkompendium nicht viel Wert hat und höchstens die Erlernung des Tatsächlichen etwas erleichtern kann. Nur auf einem Gebiet kann es nützen, auf dem der B J. C.-Geschichte; und auch da nur, wenn es die Materie mit der großen Ausführlichkeit und Fülle an Persönlichem behandelt, wie das Leute können, welche die ganze Entwicklung mitgemacht haben oder alle in Betracht kommenden Verhältnisse und Personen so kennen, wie etwa Blumenfeld.