Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1911-07-20 · Heft 4 (20.7.1911) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
8 (1911-1912)
Issue
Heft 4 (20.7.1911)
Date
1911-07-20
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3537599-3537691-3537696--1970-3540085
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der jüdische Student Eine Satisfaktionskomödie in Marburg*) Wieder einmal hat sich eine antisemitische Affäre begeben, die typisch für die Tatsache ist, daß die VJ.St.-er von den Fehlern der älteren Generationen und ihren eigenen nichts lernen, obwohl sie theoretisch seit langem erkannt sind. Zamory sitzt in einem Marburger Lokal; am Nebentische singen einige teutonische Studenten : „Werft sie raus, die dreck'ge Judenbande" etc. Zamory geht an den Tisch und contrahiert, muß sich dabei noch einige (incommentmäßige) freche, seichte Scherze gefallen lassen („Geben Sie mir auch so ein Los, wie viel kostet das?" oder ähnlich). Fünf Contrahagen. Forderung auf Pistolen, da Zamory nicht Säbel ficht. Einer sagt, er hätte nicht mitgesungen, zwei revozieren gleich, bleiben drei. Zwei Burschenschafter verlangen Belegen bei Burschenschaft (bei Pistolensache!). Verruf. Der letzte der Mohikaner lehnt im E.G. erst einen V.J. St.-er (sowohl einen angeblichen Marburger, Rosenblüth, als auch einen „Kartellbruder" aus München) als Vorsitzenden ab, dann einen „semitischen Herrn" überhaupt: Verruf. Dieser ist gut abgefaßt, tönt voll und erhält die vom Gesang der Farben- und Bundeslieder geschwellte Brust in unvermindertem Schwellungszustand. Man erzählte mir neulich, daß eine teutonische Verbindung solch einen Verruf — der Würzeburgia glaube ich — gerahmt im Schaufenster des Glasers ausstellen ließ. Zweifellos ist, daß die Wirkung in jedem Fall als nicht vorhanden zu betrachten ist. Die Wirkung nach innen dagegen kann bei uns eine schädliche sein. Ich kann mir denken, daß manchem das „Reagieren" auf antisemitische oder sonstige Rüpeleien durch das Bewußtsein sehr erleichtert wird, daß doch nichts herauskommt. Versteht mich recht, ich mache keinem, dessen Sache mal so erledigt wurde, und unserm lieben Zamory am wenigsten, einen verdächtigenden Vorwurf, aber die erzieherische Absicht der Satisfaktion kann bei faulen Kunden, die bei solchen Gelegenheiten als solche zu erkennen wir ein großes Interesse hätten, in „schuldhafter" Weise illusorisch gemacht werden. *) Es dürfte sich empfehlen, den Marburger Vorfall zum Gegenstand einer Komment-Fuxenstunde zu machen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.