Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 3 (20.6.1911)
- Date
- 1911-06-20
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3537599-3537691-3537695--1954-3540068- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der jüdische Student 103 44 Eingeladenen erschienen zur großen Ueberraschung der obigen sogar die Hälfte, ganze 22 Mann. Es stellte sich schon am ersten Abend als unzweckmäßig heraus, Vorträge oder ähnliche anregende Dinge zu veranstalten. Es kommen die jüdischen Akademiker Kie's nunmehr regelmäßig Sonnabend abends in der Seeburg, dem der Universität gehörenden Studentenhause, zusammen, trinken und unterhalten sich zwanglos wie an einem regelrechten „Stammtisch", („Stammestisch"). Außer den vier V.J.Stern sind darunter zwei Keilfüxe für uns, fünf K.Cer (!), 1 Dahleme, mehrere aus paritätischen Verbindungen anderer Universitäten und schließlich auch Freistudenten. Auch Zionisten, die nicht in den großen studentischen Verbänden organisiert sind, zieren die Runde. Was wir mit dem Stammtisch erreicht haben? Wir haben die sonst in jüdischen Dingen stark indifferenten jüdischen Kommilitonen Kiels zusammengebracht, haben so sehen können, ob sich Keilfüxe für uns darunterbefinden und haben dem künftigen VJ.St. Hamburg im B J.C. vorbereitende Dienste geleistet. 11. Juni M i n *d e n. Obigem Berichte Mindens will ich noch ein paar Zeilen hinzufügen. Der hiesige Stammtisch ist sozusagen jüdischparitätisch, insofern er sich aus allen Elementen zusammensetzt. Das hat zur Folge, daß die Zusammenkünfte für uns nicht nur interessant, sondern auch lehrreich sind. Nur eine Beobachtung, die für die meisten von uns allerdings kaum neu ist, sei mitgeteilt. Die 5 K. Cer stammen aus dem Rheinland und Westfalen, prächtige Kerle, die auch, wenn sie uns gehörten, Ersprießliches leisten würden. Sie zeigen uns, daß wir mit allen Mitteln streben müssen, in Rheinland und Westfalen festen Fuß zu fassen. Dort ist noch wertvolles Material zu holen, für uns und für das nationale Judentum. 11. Juni Bruno Tannenwald.