Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 3 (20.6.1911)
- Date
- 1911-06-20
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student 99 Unser am 20. Juni stattfindendes Sommerfest wird uns diesmal nach Niederburg führen. Nicht unerwähnt bleiben soll auch des anläßlich der Kaiser Wilhelm-Denkmalsenthüllung stattgehabten „Studentenaufruhrs" letzter Teil, der bis in die fernsten Länder Wellen trug. Die Studenten ersuchten den Senat, von den Universitätsfeiern fortan die Offiziere auszuschließen, welche durch ihr allzu forsches militärisches Auftreten die freien Bürger der Akademie beleidigt hatten. Der Senat löste den Studentenausschuß auf, dem auch wir anzugehören die Ehre hatten. stud. med. Jacob Dewirtz aus Smolensk meldete sich aktiv und wurde in den A. C. aufgenommen. Persönliches: Unser C. K. Low meldete sich bereits vor einiger Zeit aktiv und wurde gleichwertiges Mitglied. Ein E. R. sprach A.H. L. Mayer frei. Bbr. Garfunkel wurde wegen Kritisierung des E. R. eine verschärfte Rüge erteilt. Bbr. Kilian Bluhm wurde inaktiviert. I. A. B. Henry Levy bestand das medizinische Staatsexamen mit „gut". 10. VI. 11. Arthur Stein x. Königsberg i. Pr. Das Vereinsleben geht seinen geruhigen Gang; nur von einem wichtigen Ereignisse möchte ich kurz berichten, wichtig insofern, als wir Gelegenheit hatten, in der hiesigen Klinikerschaft einen starken moralischen Sieg in unserem Sinne zu erringen. Es handelte sich um die Ausländerfrage alias Russenfrage, schon seit mehreren Semestern latent, jetzt infolge starken Anwachsens der jüdisch-russischen Kliniker akut geworden. Die Klinikerschaft, der übrigens schon seit 2 Semestern nur reichsdeutsche Studenten angehören können, bemerkte mit großem Unwillen, daß die Zahl der Russen schon 40% aller Mediziner erreicht hatte und so einerseits schon durch die Zahl unangenehm auffiel und andrerseits auch auf die Ausbildung der deutschen Mediziner störend einwirkte. Die Klinikerschaft wollte nun Repressivmaßregeln beschließen, wovon wir jedoch zeitig Wind bekamen. Wir d. h. die klinischen Semester im V. J. St. beriefen eine Versammlung der jüdisch-deutschen Kliniker ein (13), um zu verhindern, daß auf der großen Klinikerversammlung uns von jüdischer Seite unangenehme Gegnerschaft kommen könnte. In letzterer Versammlung erreichten wir dank glänzender, groß angelegter Ausführungen Weissbrems, daß man vorläufig von Vorstellungen beim Dekan etc. absehen und auf die hiesigen Russen durch persönliche Aussprache einwirken wolle in dem