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Der jüdische Student · 1911-05-20 · Heft 2 (20.5.1911) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
8 (1911-1912)
Issue
Heft 2 (20.5.1911)
Date
1911-05-20
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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55 Eine Tendenz-Rundfrage vor zehn Jahren. (Schluß). Leon Stenczel (Chbg. I. A. B.). 1. Ja; die Juden sind ein Volk, eine Nation und zwar sowohl vom Standpunkt der gemeinschaftlichen Abstammung und geschichtlichen Entwickelung betrachtet, wie auch wegen ihrer eigenartigen Kultur, die sich am besten in ihrer nationalen Religion offenbart; ich bestreite die Existenz einer „mosaischen Konfession" als solche und erkläre sie als hirnverbrannten Unsinn, entstanden in den Köpfen einiger pfaffenlüstigen Protesttheologen; die großen Massen des jüdischen Volkes wie auch die arischen Völker kennen nur das einzige Wort „Jud" — und mag es auch klingen „juif" (französisch), „ryd" (polnisch) oder „jewrej" (russisch); ich möchte beantragen, daß die sogenannten jüdischen „Religionsgenossenschaftler" mal bei der internationalen Antisemitenliga anfragen, ob ihre Wut sich gegen das Judentum als Volk oder bloß als Konfession wendet. Das Bewußtsein ihrer Nationalität ist allerdings bei vielen Tausenden von Juden mehr oder weniger erstarrt. 2. Ja; würde ich mir dessen nicht bewußt sein, so möchte ich mir selber raten — ich habe keine Religionsinteressen — mich schleunigst zu taufen; in meinem bewußten Nationaljudentum liegt die Verkörperung der ganzen jüdischen Seele; ich fühle mich glücklich und stolz, dem größten und unglücklichsten Volke der Welt anzugehören, und verpflichtet, für seine Wiederbelebung zu arbeiten. 3. Ja; ich bin Zionist, weil ich in Konsequenz meiner nationaljüdischen Anschauungen für das jüdische Volk dasjenige fordere, was es für eine weitere gesunde und freie Entwickelung seiner nationalen, ökonomischen und kulturellen Interessen unbedingt haben muß — also Territorium, Sprache usw. —, um, den übrigen Völkern völlig gleichgestellt, mit ihnen in den Konkurrenzkampf bei der Lösung der großen Weltprobleme würdig eingehen zu können; ich wünsche die Schaffung von öffentlich rechtlichen Heimen für die Juden nicht nur, damit Millionen Proletariern geholfen werde, sondern damit auch unsere würdelose, im höchsten Grade anormale Stellung in der zivilisierten Völker-

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