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Der jüdische Student · 1911-05-20 · Heft 2 (20.5.1911) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
8 (1911-1912)
Issue
Heft 2 (20.5.1911)
Date
1911-05-20
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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52 Der jüdische Student. Du bester aller guten Kameraden, wie tapfer und stolz hast du mit uns den freudigen Kampf für Judas Ehre gekämpft. Du hast keine großen Reden gehalten und keine großen Pläne entworfen. Aber ein ganzer Mann und ein ganzer Jude, gingst du an unserer Seite in gleichem Schritt und Tritt. Mancher von uns hat sich sein Judentum erst erarbeiten und erkämpfen müssen, dir war alles einfach und selbstverständlich. Du turntest fürs Judentum, du fochtest fürs Judentum, du warst glücklich und frei im Judentum. Dann kam die Zeit, da wir Männer geworden waren, die Zeit der Lebenskämpfe und für manchen auch der Lebensnöte, die uns auseinanderrissen und im Lande zerstreuten, den einen hierhin, den andern dorthin. Du fuhrest in die weite Welt, wir blieben zu Hause, und doch bist du es schließlich gewesen, der heimgekehrt in stillen Tälern landete, wo man den .Menschen und der Natur nahe zu kommen vermag, während wir an das brandende Ufer der Großstadt geworfen wurden. Ach, wie weise warst du! Du hast selbst nicht gewußt, kleiner Perlitz^ ein wie weiser Mann du warst. Du hast die Schönheit des Lebens in seiner heiteren Stille erkannt. Monde vergingen oft und wir sahen und hörten nichts von dir. Wir saßen über unseren Büchern und studierten alle Weisheit der Welt, wir suchten uns zu festigen und rangen um eine Lebensanschauung. Aber wenn wir dann wieder einmal zu dir kamen, oder du zu uns, dann war's doch immer, als wären wir nie auseinander gewesen. Und wenn wir dich dann sprechen und plaudern hörten, über dich, über uns, über des Lebens Tiefe und Breite, dann standen wir da mit unserer erbärmlichen Weisheit und schämten uns vor dir, du goldener Junge. Ja, wir schämten uns. Denn was wir selber suchten, das hattest du schon, und was wir erst werden wollten, du warst es. Du warst ein Lebenskünstler, Walter Perlitz. Wenn wir von dir gingen, dann war es uns immer, als hätten wir in einem Jungbrunnen gebadet. Alles Häß iche und B.ttere war von uns abgefallen, das Herz war uns gesund geworden bei dir, du Herzerfrischender. Wie schön aber konntest du auch plaudern! Die Grazien standen hinter dir und bliesen dir ein, was du sprachst. Wie wundervoll hast du mitunter sogar flunkern können! Rührend

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