Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 1 (20.4.1911)
- Date
- 1911-04-20
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Der jüdische Student. Martin Buber (ausgeschieden). 1. Abstammung und Geschichte sind eherne Tatsachen, die nur von Schwachsichtigen oder Böswilligen, allenfalls auch von Opportunisten*) aller Art ernsthaft in Abrede gestellt werden können. Für die aus dieser Tatsache sich ergebende Gemeinschaft ist das Wort „Volk" durchaus angemessene Bezeichnung. 2. Erhellt eigentlich schon aus der Antwort auf 1. Aber ich bin auch Nationaljude in dem Sinne, daß ich die Fortdauer und Höherentwicklung des nationalen Charakters des Judentums wünsche und an ihnen mitarbeiten will. Das erst nenne ich Nationaljudentum. Und dieses Nationaljudentum hat in mir Irreligiösem eine heiße Liebe zu den volkstümlichen „religiösen" Bräuchen geweckt und entfaltet. 3. Ich bin Zionist. Zionismus nenne ich ein Nationaljudentum, das seine eigenen letzten Konsequenzen zieht. Meiner Ansicht nach kann nur eine bodensässige und autonome, Eigenproduktion treibende Nation ein großes freies Volksleben führen. Ich bin von der Möglichkeit der hierzu nötigen Landgewinnung überzeugt. Selbstverständlich ist es Privatsache jedes einzelnen Nationaljuden, diese beiden Konsequenzen zu ziehen oder nicht zu ziehen. 4. In Wirklichkeit — d. h. nach den vom Willen der einzelnen V. J. Ster völlig unabhängigen Tatsachen — beruht er natürlich auf der genannten Grundlage und hat nur in ihr sein Existenzrecht. Im Bewußtsein einiger V. J. Ster ist dies allerdings nicht der Fall, wohl weil sie niemals die Notwendigkeit einer einheitlichen Grundlage gefühlt haben; sonst wäre das ungeheuerliche Kartell -„Oder" nicht zustande gekommen. 5. Ja, nach der Parole Lassalles: aussprechen das, was ist. Und dann auch, weil eine Vereinigung junger Menschen nicht zur „Interessenvertretung", sondern zur Ausbildung des eigenen Wesens dieser Menschen, zu ihrer Selbsterziehung da ist und diese ist für uns, richtig verstanden, nur in nationalen Formen möglich. Betont der Verein dies nicht, so wird er mit der Zeit auf weniger ehrenvollem Wege zu einer solchen Betonung gelangen: durch die Entwicklung der Dinge im Deutschen Reiche. *) Opportunisten (im weitesten Sinne) nenne ich alle, die von einem Interesse besessen, alle innere Freiheit und Geistes wähl in sich ertöten. Es gibt also mammonistische, religiöse, sozialistische etc. Opportunisten.