Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 7 (1910-1911)
- Issue
- Heft 12 (März 1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 363 damit verbunden das 10. Stiftungsfest des B. J. C. Die Verhandlungen und die Festlichkeiten nahmen die ganze letzte Dezemberwoche in Anspruch. Weit über dreihundert Bundesbrüder waren in Berlin anwesend. Die Stimmung der vielen Menschen, die nicht nur der Duzkomment einte, war die früheste. Sie alle trug das Bewußtsein, im B. J. C. und seinem Werden ein wichtiges Stück moderner jüdischer Geschichte miterlebt zu haben und mitzuerleben; sie fühlten sich heimisch und geborgen in dem Gedanken, mitzuwirken an der Entwicklung eines lebendigen Judentums. Auch äußerlich nahmen die Festlichkeiten, der Festkonvent, der Festkommers, der Festball einen glänzenden Verlauf, den die Zeitungen so befriedigt ad notam nahmen, daß sie im Lobe mitunter des Guten zu viel taten. Der Kartelltag und das Stiftungsfest wirkten als ein starker jüdischer Impuls durch das ganze Semester fort. Noch intensiver als vorher arbeitete man in Geschichtskursen und Vorträgen, in Artikeln unserer internen Verbands-Zeitschrift die jüdischen Fragen durch, suchte sich klarzuwerden über die Probleme der jüdischen Moderne, sich zu instruieren über die Erscheinungsformen des gegenwärtigen jüdischen Lebens. In vielen Jugendbünden waren ältere Bundesbrüder tätig, der Jugendbund Metz, der Turnverein Königsberg wurden mit Hülfe von V. J. Stern gegründet. Der Kartellverein Bonn hielt eine Reihe von Vortragsabenden vor geladenem Publikum ab. In vielen Kartellvereinen wurden jung-jüdische Abende veranstaltet, durch die den Bundesbrüdern die moderne jüdische Literatur nähergebracht wurde. Der Sinn dieser Veranstaltungen ist natürlich nicht der von literarisch-ästhetischen Tees, sondern ein sehr ernster: die Auffüllung unserer jüdischen Menschen mit jüdischen Inhalten. Die Bundesbrüder, die aus orthodoxen Häusern kommen, kennen nur die alte Religionsliteratur, den anderen fehlt fast jede positiv-jüdische Bildung. Sie alle gilt es mit den Erzeugnissen des modernen jüdischen Volksgeistes vertraut zu machen, sie die Wurzel ihrer Kraft im Jüdischen empfinden zu lassen. In derselben Richtung liegen die Versuche, die in diesem Semester in unseren Berliner, Münchener und Straßburger Korporationen mit der Einrichtung hebräischer Sprachkurse, in denen nach der Berlitz - School - Methode unterrichtet wird, gemacht