Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 7 (1910-1911)
- Issue
- Heft 11 (20.2.1911)
- Date
- 1911-02-20
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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290 Der jüdische Student. kräftigeren Organismus, aber immerhin doch ein Abbild jener guten" Vereinigung, die vielleicht durch meine Schuld - keinen boonders nachhaltigen Eindruck auf meinen jüdischen Menschen gemacht hat. Und ich habe ein ganz anderes Gebilde vorgefunden — den Verein Jüdischer Studenten. In der Zwischenzeit muß eine Umwandlung des Geistes stattgefunden haben, die sich äusserlich wohl in der Vermännlichung des Namens kundgibt. Als Philister bin ich gekommen, wollte fröhlich sein mit den Jungen, wollte vor allem mit den Älteren .meiner Zeit -- von Alten kann man bei unserer Jugend noch nicht gut sprechen — die' Freude des" Wiedersehens genießen. Die alten lieben Gesichter haben manche Erinnerung o <-* in mir wachgerufen. Doch alles dies wurde mir im Verlaufe der Tagung nebensachlich. Mein ganzes Interesse haben die Jungen in Anspruch genommen, die als die Träger des neuen Geistes, als die Jünger einer klaren zielsicheren B. J. Cer Idee mir entgegengetreten sind. Was mich zu dieser jungen Generation mächtig hingezogen hat, das war der Ernst, von dem ihre Verhandlungen getragen waren. Dieser Ernst kam zum sinnfälligsten Ausdruck in der A. H. A. H.-Debatte, die sich zu einer großen Tendenzdebatte auswuchs und den Höhepunkt der Tagung ausmachte. Der bitterernste Grundton, der aus den Worten der Jüngeren sich vernehmen ließ, gab zu Mißverständnissen Anlaß, die auch im Laufe der Tagung nicht ganz geschwunden sind. Die Behandlung des A. H. A. H.-Problems ist ohne Frage eine heikle Sache. Sie erfordert viel Taktgefühl. An dem nötigen Takt haben die Jüngeren bei aller Bestimmtheit es nicht fehlen lassen. Den Alteren schien aber die dem Alltagskampfe des Lebens noch ferne stehende Generation der Legitimation zu ermangeln, über Pflichten und nun gar über politische Pflichten der A. H. A. H. zu urteilen. Hier schien ein Übergriff der Jugend vorzuliegen. Dieser scheinbare Übergriff hatte zur Folge, daß die Älteren schärf „vom Leder zogen, und die Meinungen heftig aufeinanderplatzten. Aber der jungen Generation kam es bei dieser Auseinandersetzung weniger darauf an, das ältere Geschlecht unter ein politisches Pflichtenjoch zu bringen; es war ihr in der Hauptsache darum zu tun, sich selbst — ihre eigene Zukunft durch Normen zu binden.