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Der jüdische Student · 1908-09-17 · Heft 5-6 (17.9.1908) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
5 (1908-1909)
Issue
Heft 5-6 (17.9.1908)
Date
1908-09-17
Page
[Seite] (sequence 31)
Language
German
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Der jüdische Student. "127 wäre es angebracht, wenn eine grössere Anzahl von Bbr. Bbr. nach München käme. — Den Beginn des W. S. setzen wir hiermit offiziell auf den 24. Oktober . 2 h. c. t im Palastcafe fest. Martin Kupfer X X a. i. Marlburg. Ueber unser Vereinsleben im Beginn des Sommersemesters haben wir uns in der letzten Nummer des J. St. des längeren ausgelassen, es erübrigt sich nur noch, über den Verlauf des Monats Juli zu berichten, der allerdings sowohl nach aussen wie nach innen ziemlich ereignisreich sich gestaltete. Am Dienstag, den 7. d. M., hielten wir auf unsererer Kneipe zur Erinnerung an Herzls Todestag eine Gedenkfeier ab. Zamory sprach in warmen Worten über die Bedeutung des grossen Führers zu seinen Lebzeiten und nach seinem Tode. Hierauf folgte ein Vortrag von Bbr. Hirsch über ,,die jung-jüdische Dichtung" mit anschliessenden Rezitationen. Ein jüdisches Lied beschloss die Feier, die ihren Eindruck auf Gäste und Bundesbrüder nicht verfehlt hatte. Eine Woche später, am 14., fand unser Sommerfest statt, das nach Aussage der Marburger und Marburgerinnen den Glanzpunkt der Sommervergnügen — und deren gab es nicht wenig in dem kleinen Städtchen — bildete. Es war ein Ruderausflug — in dieser Art das erste Mal in Marburg. Wir hatten beim Boothalter alle Boote gemietet und ruderten, etwa 60 Personen, um 1h 7 Uhr nach dem eine halbe Stunde entfernt gelegenen Lahngarten, wo uns das fröhliche Spiel der Stadtkapelle empfing. Die ängstlicheren unter den Damen und die älteren Herrschaften folgten in einem uns ebenfalls zur Verfügung stehenden Motorboot nach. Nach dem gemeinsamen Abendbrot ruderte man ziel- und zwanglos auf der Lahn umher, während im Garten die Kneiptafel ,,unter italienischem Nachthimmel'' hergerichtet wurde. Nach der Kneipe, auf der Bbr. Pinner die Tendenzrede und Se. Ehrw. Rabb. Dr. Münk im Namen der jüdischen Gemeinde eine herzliche Erwiderungsrede hielt, versammelte man sich im Saal, wo der übliche Tanz, unterbrochen von einer von Bundesschwestern und Bundesbrüdern unter Zamorys musikalischer Leitung zur Darstellung gebrachten Gesangsaufführung und einer feierlichen Fackelpolonaise, alle bis zwei Uhr in fröhlicher Stimmung vereinte. Dann brach man auf, um beim Scheine des Mondes und der Lampions unter leuchtendem Sternenhimmel nach Hause zu gondeln. Der gute Eindruck, den nach dem übrigen Verlauf des Semesters das Sommerfest und mit ihm der B. J. C. hier gemacht hatte, wurde etwas getrübt durch das plötzliche Ausscheiden verschiedener Bbr. Bbr. aus dem Verein. „Es kriselt im V. J. St.", so hiess es bei einigen Bürgern. Doch glaube ich kaum, dass es eine wirkliche Krisis war, und wenn, dann war es eine heilsame, denn es folgte auf sie der denkbar innigste und harmonischste Verkehr unter uns allen, die wir bei der Stange geblieben waren.

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