Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 3 (24.6.1908)
- Date
- 1908-06-24
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Inzwischen haben wir unsere Aufgabe ein gut Stück weitergebracht. Nach ungefähr siebenwöchentlicher straffer Ausbildungszeit konnten wir am 2ten Juni unser Anrudern stattfinden lassen. Zum ersten Male hissten wir unsere Flaggen und konnten unsern Bbr. Bbr. und Freunden gegenüber die vielen Worte, die wir vorher gemacht hatten, durch Taten illustrieren. Wir dürfen an dieser Stelle wohl ihre einstimmige Aeusserung wieder geben, dass ihre Erwartungen ihnen keine Enttäuschungen eingebracht haben. Die Befürchtung, dass die „R. A.tt den Vereinen r.uviel Kräfte entziehen könnte, dürfen wir als unbegründet ansehen, sind doch 6 von den 9 Berliner Chargierten Mitglieder der R. A. Unser Mietsverhältnis mit der Berliner Rudercjesellschaft „Undine" haben wir für den 1. Juli gelöst. Wir beziehen einen Neubau, der von einer Bootsbauerei nach einem Entwurf, der aus unserm Kreise hervorgegangen ist, für uns errichtet wird. Diese Umwälzung können wir sehr freudig begrüssen, deni"u einerseits sind die Bedingungen für uns a .sserordentlich günstig, andererseits steigen wir durch diese Selbständigkeit erheblich im Ansehen bei den anderen Clubs. Der überaus schnelle Fortgang unserer Arbeit überrascht uns selbst freudig. Indess sind wir noch nicht in absehbarer Nähe unseres Zieles: denn nachdem wir erst einmal bewiesen haben, dass eine jüdische Ruderorganisation kein Unding ist, eröffne: sich uns der Ausblick auf ein Arbeitsfeld, das vor kurzem noch sehr fern zu sein schien, jetzt uns aber für Vorarbeiten schon zugänglich ist. Allerdings — nun muss ich leider mit unserem Refrain einfallen — allerdings sind wir - a 11 e i n nicht im Stande, ein so grosses Unternehmen in jeder Beziehung mit eigener Knvt't zu versorgen. Natürlich ist es immer die Finanznot von der ich sprachen muss. Die Berliner A. H. A. H. haben ihre Pflicht grösstenteils getan. Hingegen hat ein Rundschreiben an die 26 bestandenen auswärtigen A. H. A. H. ein Ergebnis gezeitigt, dass uns die S.bamröte ins Gesicht -steigen muss: eine ganze — natürlich abs^ende — Antwort lief ein. Sollte dies eine endgültige Stellungnahme der auswärtigen A. H. A. H. sein, so müssen wir zugeben, in unsern erste;; Voraussetzungen einen groben Rechenfehler begangen zu habe;:, der einen eclat unausbleiblich machen muss. Wir appellieren an das Pflichtgefühl unserer A. H. A. 11 und Bbr. Bbr., die es nicht zugeben werden, dass all unsere viele Mühe vergeblich gewesen und der B. J. C. für immer lächerlich gen acht sein soll. Darum bitten wir um recht ausgiebige, positive Ber.v/zung " der beigelegten Karte. I. A. Richard Michel Chlbg. XX. Grünau, Dahmestr. 1.