Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1908)
- Date
- 1908-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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302 Der jüdische Student. ostpreussischeSynagogenverband, der Vorstand und die Repräsentanz der jüdischen Gemeinde, der Zentralverein, die zionistische Vereinigung, der Hilfsverein, die Alliance, der Verein für jüdische Geschichte und Literatur und der hebräische Sprachverein „Jvria". Die Reden waren bei allem Missverständnis, das manche der jüdischen Honoratioren uns entgegenbringen, docli sehr herzlich gehalten. Zum Teil hat uns der Aerger über derartig empörend assimilatorische Reden neue Freunde zugeführt. Auch der gemütliche Verlauf der Fidulität trug viel zu dem Gelingen des ganzen Kommerses bei. — Eine Freude und Befriedigung ist es für uns zu erfahl en, dass der Vorsitzende des Synagogenvorstandes bei einem Festessen der Äche\vra* ausdrücklich unseren Kommers erwähnte und im Anschluss daran seiner Freude über den EFer der jüdischen Jugend Ausdruck gab. Obwohl wir sehr vorsichtig mit unseren Reden sein mussten und jedes zionistische Wort unterdruckten, haben wir der Sache des V. J. St. und des Zionismus sicher mehr genützt, als wenn wir zi >nistische Reden vor einem kleinen Publikum und ohne die Honoratioren der jüdischen Gemeinde hätten halten lassen. —- Wir lesen im J. St.. dass in München wieder einmal ein Bbr. bei einer Turnerschaft Waffen belegt hat. Es ist vielleicht von lnterresse, hier zu berichten, wie wir uns kürzlich einer solchen Frage gegenüber verhalten haben. Bbr. Fried mann hatte eine Contrahage mit einem Beieger der deutschen Burschenschaft Germania. Nachdem Friedmann die Forderung hatte überbringen lassen, erhielt er von der Burschenschaft einen Br.ef mit der Aufforderung, bei einer anderen Burschenschaft zu belegen, da er Forderer sei und der Geforderte die Watten zu bestimmen habe. 13er Verein schrieb zurück, er führe e gene schwere Waffen und lasse Friedman nur auf diese antreten. Daraufhin suchte der F. W. der Genrnni i unseren F. W. auf und erklärte ihm, sie setzten Fried mann eine Frist von 3 Tagen, belege er nicht, so habe er die Konsequenzen zu ziehen. Als Autwort schickten wir an den Beleger ebenfalls eine Aufforderung, binnen 3 Tagen bei einer Corporation zu belegen, die die Waffen des V. J. St. anerkenne: Cheruscia, Arminia (A. D. B.J, A. J. V. Ostmark, V. I). St.; zugleich ging an die Burschenschaft folgender Brief ab: Einer verehrlichen Burschenschaft Germania teilt Unterfertigter geziemend mit, dass er seinem Bbr. Friedmann nicht gestatten wird, bei einer Corporation zu belegen, die durch den Ausschluss jüdischer Studenten ihre judenfeindlichen Tendenzen dokumentiert. Mit studentischem Gruss! etc. Am Tag darauf kam der Fechtwart der Germanen zu uns auf die Kneipe und erklärte, sie zögen ausnahmsweise den Waffenschutz zurück, sie stellten dem Herrn ihre Waffen für eine Cavalierspartie zur Verfügung.