Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 8 (November 1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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208 Der jüdische Student. Das Königsberger Vereinshaus. Von Max Pinette. Eine Frage, die wohl in jedem V. J. St. zum mindesten einmal in jedem Semester auf der Tagesordnung steht, ist die Lokalfrage. Sie ist zweifellos von grosser Bedeutung. Denn abgesehen von den verschiedenen Stimmungsimponderabilien, die die jeweilige Umgebung für mehr oder weniger empfindsame Menschen mit sich bringt, brauche ich wohl kaum zu betonen, welch' wichtigen Machtfaktor ein geeignetes Lokal für eine studentische Verbindung bildet. Um von den Miseren, die der geringe Bierkonsum, die Quelle ewigen Haders zwischen "Wirt und Verein, und ähnliche Streitigkeiten mit sich bringen und die in ihrer Kleinlichkeit äusserst deprimierend wirken, ganz zu schweigen. — Theoretisch lässt sich ja allerdings leicht eine Lösung finden, die indessen bei ihrer praktischen Ausführung gewöhnlich auf grosse Schwierigkeiten stösst und deren Ueberwindung vor allem eine Unsumme intensivier Arbeit erfordert. Ich meine die Schaffung eines eigenen „Vereinshauses". Dass jedoch diese Lösung tatsächlich zu ihrer praktischen Verwirklichung geführt werden kann, dafür hat der 4T. J. St. Königsberg den Beweis erbracht. — Zugegeben, dass in Königsberg besonders günstige Umstände, vor allem der enge Zusammenhang zwischen V. J. St. und der jüdischen Einwohnerschaft, die Erreichung des Zieles erleichterten, so glaube ich dennoch, dass an allen Orten, wo V. J. St.en existieren, mit einer den jeweiligen Verhältnissen angepassten Taktik und besonders mit demselben Aufwand von Energie ähnliches wie in Königsberg geschaffen werden kann. Doch nun in medias res. Das Camino des V. J. St.-K. verdankt seine Entstehung zum grössten Teile der Tatkraft zweier V. J. Ster. Es sind Willi Perlis und Kurt Blumenfeld. Wie diese zu Werke gegangen sind, davon kann hier leider bei dem begrenzten Räume nicht die Rede sein. Ich will mich nur auf eine rein äusserliche Beschreibung des Vereinshauses beschränken, in dem in einigen Wochen unser Kartell tag stattfinden wird. Es ist ein sogenanntes Einfamilienhaus, in dem der V. J. Stil, seine Räume hat. Ein altes, gemütliches Gebäude in der Nähe des alten Domes, gut im Centrum der Stadt gelegen. Vor dem Hause eine hohe Freitreppe. Das Haus selbst hat 2 Etagen, durch eine im Innern führende Treppe verbunden, unten die eigentlichen Vereinsräume, oben eine richtige Familienwohnung, die an die Ökonomie des Vereines vermietet ist. Hier interessiert uns nur die Anlage und Errichtung des unteren Stockwerkes. Zunächst ein kleines Schankzimmer, mit Bierapparat und ähnlichen, für Kneipabende notwendigen Utensilien. Daneben liegt das Conventszimmer, ein hoher, prächtiger Raum mit grossen Fenstern, wie man sie nur noch in alten Häusern findet und die eine unendliche Menge von Licht hineinfluten lassen. Die Ausstattung des Zimmers