Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1907)
- Date
- 1907-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student III Berlin. (Aus dem V. J. St.) Einen schweren Verlust hat unser V. J. St. erlitten. Bbr. Benno Hofstein (XX) ist am 20. ds. Mts. nach langem, schweren Leiden zu Dresden in seinem Elternhause gestorben. Im Auftrage des Vereins chargierten die Bbr. Bbr. Schwarz X, Kolski und Adolf Levy bei dem Begräbnis. Bbr. Levy sprach am Grabe des teuren Verblichenen einige herzliche Abschiedsworte. Im Namen des V. J. St. widmet dem Dahingeschiedenen Bbr. Herzberg den an erster Stelle dieser Zeitschrift stehenden Nachruf. Das Vereinsleben verlief diesen Monat ziemlich regelmässig: zwei hebräische Kurse, der eine für Anfänger, der andere für Fortgeschrittene, gemeinsam mit dem V. J. St. Maccabäa und geleitet von A. H. Kirschner, ferner Fuchsenstunden und folgende Vorträge: Bbr. Jules Levy: über jüdische Proletarierdichtung. Im V. J. St. Maccabäa Herr Dr. Wiener: Die Idee der Weltgeschichte bei den vordeuteronomischen Propheten. Bbr. Rosenfeld. Referat über Zionismus als Grundlage einer Diskussion speziell für die Füchse der beiden Korporationen. Ferner besuchten wir die beiden Protestversammlungen gegen die Amtsentsetzung unseres A.H. Dr. Emil Cohn; ausserdem wohnten mehrere Bbr. Bbr. dessen Vortrag über das moderne Judenproblem bei. Am 17. 6. trat als zweiter in der Chargiertenpartie gegen Herrn Levy (Philiae) auf Säbel s. s. 30 Ernst Wolf aus Freiburg an. Er wurde nach 8 Minuten abgestochen. Wir leiden zur Zeit wieder an einem grossen Missstand, der geeignet ist, eine rechte Freude am Vereinsleben nicht aufkommen zu lassen. Mit vielem andern haben wir auch eine grosse Schuldenlast von den früheren Semestern in dieses herüberschleppen müssen, die wir wenige Aktive unmöglich tilgen können. Wir werden fast täglich mit Forderungen belangt; unsere Kasse kann jedoch nicht einmal die notwendigen laufenden Ausgaben decken. Unsere Aussenstände sind im Verhältnis zur grossen Schuldenlast minimal und auch nicht eintreibbar. Die A. H. A. H und ein grosser Teil der Inaktiven versagen vollständig. Die A. H. A. H. bezahlen auch keinen Beitrag an die A. H. B.-Kasse, welche die Hälfte ihrer Einnahmen an unsere Kasse abzuführen hätte. Eine auf unsere Anregung hin einberufene Sitzung des A. H. B. wurde im ganzen nur von 5 A. H. A. H. besucht. Ebenso resultatlos verlief ein Rundschreiben an unsere A. H. A. H., in dem die Bitte um Zuwendungen zur Deckung der notwendigen Ausgaben ausgesprochen wurde. Angesichts der Tatsache, dass es uns unmöglich ist, weiter zu wirtschaften, richten wir hierdurch noch einmal an unsere lieben A. H. A. H. die dringende Bitte uns doch aus unserer Notlage etwas herauszuhelfen! Sollte, was wir nicht hoffen, auch dieser Appell resultatlos verlaufen, so werden wir genötigt sein die ohnehin schon auf das nur Allernotwendigste beschränkten Ausgaben noch weiter zu verringern. Insbesondere werden wir es uns wegen der Portokosten versagen