Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 1 (April 1907)
- Date
- 1907-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Der jüdische Student. An Vorträgen wurden gehalten: 1. Bbr. Ascher: Das moderne Judentum, 2. „ Kronheim: Berthold Auerbach, 3. Feuchtwanger: Geschichtswissenschaft und nationale Geschichte, 4. Bbr. Gottschalk: Die Philosophie der Juden im Mittelalter, 5. „ Heymann; Spinozas Leben und Stellung zur Bipel, 6. „ Ichenhäuser: Pinskers Autoemanzipation, 7. „ Marcus: Grundlagen des nationalen Judentums, 8. „ Scheyer: Kulturelle Lage der Juden z. Z. des Maccabäeraufstandes, 9. A. H. h. c. Dr. E. Strauss: Gleichberechtigung der deutschen Juden in der Gegenwart, 10. H. Dr. E. Strauss: Achad Haam. Ausser unseren wöchentlichen Vortrags- und Kneipabenden veranstalteten wir eine Maccabäerkneipe uqd eine Berthold-Auerbach-Gedenkfeier, bei denen wir viele Herren aus der Bürgerschaft bei uns sahen. Zusammen mit der Verbindung im K. Z. V. „Jordania" hielten wir am 6. Dezember eine allgemeine jüdische Akademikerversammlung ab, die aber leider nicht den gewünschten Erfolg hatte, sondern allzu „intern" verlief. An den vom Verein für Statistik der Juden veranstalteten „sozial-wissenschaftlichen Vortragsabenden für die jüdischen Korporationen" nahmen wir regelmässig teil. Auch der Geselligkeit wurde in hohem Masse Rechnung getragen. Gemütliche Kneipen und regelmässige Stammtische hielten die Bbr. Bbr. oft beisammen und gaben Gelegenheit zu gegenseitiger Belehrung und Annäherung. Am 16- Februar veranstalteten wir ein Winterfest, das überaus glänzend verlief und die alten Beziehungen zur Bürgerschaft, die leider schon allzu lange in die Brüche gegangen waren, erneuerte und verbesserte. Im Laufe der folgenden Woche veranstalteten wir auf Wunsch der Damen einen Kater-Exbummel, der urgemütlich verlief. In Anerkennung unserer Bemühungen dedizierten uns die Damen 3 kostbare Vollwichse. Bei fast allen Veranstaltungen nach dem Feste besuchten uns Herren aus der Bürgerschaft und bekundeten immer in warmen Worten ihre Sympathie und Anerkennung für unsere Tendenzen und Bemühungen. Der einzige wunde Punkt ist nur noch unsere überaus schlechte finanzielle Lage und wir ersuchen alle auswärtigen Bbr. Bbr., die uns Geld schulden, ihren Verpflichtungen baldmöglichst nachzukommen. Wegen einer beleidigenden Aeusserung sahen wir uns genötigt, Herrn pharm. Levin (Zabrze) drei Säbelforderungen s. s. 30 zu. überbringen, die aber nicht zum Austrag kommen konnten, da Herr Levin vom Freiburger K. V. in Waffenverruf gesteckt wurde.