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Der jüdische Student · 1904-09-01 · Heft 3 (September 1904) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1904) (Fortsetzung)
Issue
Heft 3 (September 1904)
Date
1904-09-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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81 vom Standpunkt der Selbsterhaltung eine gewisse Einschränkung wohl „berechtigt erscheint und auch richtig als! „Akt ökonomischer Selbstverteidigung" bezeichnet worden ist. Die entsetzliche Notlage der osteuropäischen Juden hat in den letzten zwanzig Jahren Hunderttausende zum Wanderstab greifen lassen. Die berüchtigten Maigesetze vom Jahre 1882 in Bussland, die den unglaublichen und mit grausamster Konsequenz fortgeführten Vernichtungskampf gegen die russischen Juden einleiteten, haben die Massenemigration hervorgerufen. Die planmässige Unterdrückung und Entrechtung, die Nachprüfung und strenge Durchführung der wohnungsgesetzlichen Bestimmungen im Jahre 1891, die Einführung des Branntweinmonopols, die die Juden von den nunmehr staatlichen Betrieben ausschloss, vor allem aber die zahllosen kleinen und grossen Verfolgungen, die durch die Namen Kiew, Kischinew, Hemeln, gekennzeichnet, nicht erschöpft werden, und in neuester Zeit der russisch-japanische Krieg mit seinen schwer auf Russland lastenden wirtschaftlichen Folgeerscheinungen und andererseits die empörende Behandlung der rumänischen Juden haben dafür gesorgt, dass der Auswandererstrom nicht versiegte, sondern anschwoll. Und dieses Steigen der Auswanderungszahlen hielt an, obgleich neuerdings eine ganze Reihe den jüdischen Handwerkern günstiger Entscheidungen des Senats, des obersten russischen Gerichtshofes, bekannt werden, in denen er ihre Niederlassung ausserhalb des Ansiedlungsgebietes: erleichtert und einzelne Bestimmungen der Maigesetze geradezu illusorisch macht. So haben in den letzten zwanzig Jahren über eine Million Juden Russland verlassen. Die Zahlen1) lauten (nach Sapir S. 54): für die Jahre 1880—1884 gegen 15 000 Mann für 1885 „ 20 000 für die Jahre 1887—1890 zwischen 23 000 und 34 000 „ *) Die Angaben für London sind zunächst der trefflichen Schrift von Dr. Halpern: Der jüdische Arbeiter in London (Cotta 1903) entnommen. Im übrigen ist das Material, nicht bloss das statistische, sehr ungleich brauchbar und entstammt den verschiedenartigsten Quellen. Es muss betont werden, dass die (vorzügliche) englische und amerikanische Statistik nicht nach dem Bekenntnis fragen, sondern nach dem Geburtsland. Meist können wir aber für unsere Zwecke ohne wesentliche Fehler Russen und Polen Juden setzen.

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