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Central-Verein-Zeitung · 1925-02-05 · 6 (5.2.1925) · p. Seite 116

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
6 (5.2.1925)
Date
1925-02-05
Page
Seite 116 (sequence 23)
Language
German
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116 T;e Ü'C[)i'U.'öijc I>i>Lren einenit'ei. üe ir-arci: eine (üv’-meinjcl^ft von Menschen, in der jeder für sich und olle nn; d,ni-■ '.iLesnmte cintvatcn, wo jeder fein Leben einteljte und sein (v.u oprerle;,1iiv nüe — und wo nicht einer sich auf Uefteu fco* -KeDetiüieuiit/ii l>ereid;ertc, tute wir Cv In'ute in den Ta-z-en unserer eigenen tiefsten Not leider nur allzuoft erleben mußten. Jynft von symbolischer »Bedeutung ist ferner das lohte Kapitel im ..F lv eiten Gesicht", in welchem der Maler Hngcnrieder ein Soldatenyeim nicht mit Schlachtenbildern aue-matte. sondern Vnndschnften nmnuign-!ngster Art schuf, in deren Vordergründen der Bauer bei der Arbeit ocfU'Ut tourde. Es wird so oft honte der Bor such gemacht, Löii^- vor den meist klapprigen llarren irgendeiner Partei zu spannen. Dieses Tun finde ich so überaus albern und töricht, da ^vus ein keiner Partei I) origer M ann war. freuen wir nue doch, -das: das künstlerische Schassen, die Natursrotidigkeit, die Sehnsucht nach Erde tmd Heimat, im ganzen Volle Wurzel zu schlagen beginnt. Wenn man alt die vielen Aussätze gelesen hat, die in den letzten Monaten über Lönv und fein Lebe ns werk durch den deutschen Pressewald säuselten. dann wird man nun endlich wissen, das; aber auch jede Partei und jeder —isnms Löns für sich in Anspruch nehmen tann. Ganz besonders zeichnen sich natürlich auch hier wieder die Leute aus. die den Patriotismus sur sich gepachtet haben, denn Löns, der niederdeutsche Dichter, der den Quellen seines Vollstums nachging, der ab und zit von Wodan und Frigga erzählte, der den Dachsen schlecht er ötarl den Großen nicht leiden mochte, ja, der sogar für germanische Runenzeichen etivas übrig hatte, dieser Löns tonnte doch unmöglich soviel wirtliches Menschentum im Leibe haben, als daß er nicht wirtlich und wahrhaftig im völlisch-deutschnaLionalen Lager seine Heimstatt hätte. Selbstverständlich ums; auch Löns einer von denen ge- Evesen sein, die die Juden mit Haut imiD Haaren verspeisen möchten. . Töricht ist es, so etwas anznnehiuen. S e i n e E i n st e l L u n g z u in udentum geht a it s seine m S ch affen gen ü g e n d h e r * v o r. Mehr als einmal hat er das Judentum in seinen tun st wri scheu Sehöpsnugeu gestrcif:. Ich verweise aus den jüdischen Arzt Beul Benjamin. den er im ,.Z weiten 6 e s i ch ft doch in einer menschlich würdigen Art gezeichnet hat. Im „Blauen Buch" sinden wir eine Ballade. „Das Bild des Pharao", eine Eingebung, die er durch den Besuch des Alten Plusemus in Berlin einst erhalten hatte. In dieser Ballade formt er mit dichterischer Zlrast Begebenheiten aus der Geschichte des jüdischen Voltes zu einem tiefen Erlebnis. Im „Zweiten Gesicht" hat er auch in allgemeiner Form zum Judentum Stellung genommen. Er sagte da. er war lange überzeugter Antisemit geuoesen, bis er einsah. daß damit die Zudensrage nicht zu lösen wäre, und daß dieses Volk für die Germanen bitter notwendig lei, damit sic sich an dosten Emsigkeit ans ihrer angeborenen Trägheit emporärgertem lind außerdem, siel ihm nun ein, sind .sie doch gewaltige Umwerter und Anreger trotz oder vielmehr wegen ihrer völligen Unproduktivität. Qb das mm in allen Teilen den Tatsachen entspricht, ist hier von nebensächlicher Bedeutung. Man wird aber vergebens in diesen Zeilen, wie auch in seinem gesamten Schaffen, auch nur eine Andeutung sinden, die Löns als Anhänger des geifernden Ranenhasies kennf. ichncn könnten. Es ist also absolut verfehlt, wenn man diesen Mann ans irgendwelche politischen Tendenzen festzulegen versucht. Man darf dies Boeder nach der einen noch nach der anderen Seite. Es unterlaufen dabei komische Dinge. So schrieb mir die Gattin des Dichters, daß kürzlich einer von der Arbeiterjugend begeistert ansgernfen habe: ,.Das kann ich euch sagen, Löns hätte keinen schwarzen Schniepcl und keinen Stehkragen aus den Leib getan." Und jarlasrisch fügte die Gattin des Dichters hinzu: „Wenn der gute Junge gewußt hätte, wieviel am Sitz der langen, farbigen -Seidenschnrpe hernmprobiert nmrde. die er an Stelle der Weste znm Frack aus deu Hosbällen trug, weil er nie gern Weiß trug, das er nicht als Farbe ans ah — und tuen jedes unvernünftige Tier am Bauche loeiß isst" Ja und auf der anderen Seile mißbraucht man 'dm „Werwolf" zur Kriegshetze. Alle nur irgendwie kriegshetzerisch auslegbnren Stellen hat man sich znstnmnengesncht. die mit Lichtbildern recht zweifelhafter Art einem pp. Publikum vorgeführt werden. So konnte es im Letzten Sommer in einem Seebadeort passieren, daß das Publikum in eine so draufgängerische Stimmung kam, bis es schließlich sang — „Wohlauf, Kameraden, auss Pferd, anss Pferd". Das Jn-den-Krieg-Jiehen überläßt man dann natürlich den anderen. Im deutschen Volke lebt nun einmal eine dumme Freude 'am Registrieren und Abstempeln. Es wäre ja auch noch schöner, wenn das Voll der Dichter und Denker für seine Geistessnhrer nicht ein Schubfach in dem großen literarischen Schrank übrig hätte. Ordltiü' t muß sein — und Ordnung kann nur gewährleistet werden durch eine systematische Einkeilung in Klassen und Gruppen. Wer aber wirtlich einmal als Mensch mit geraden Sinnen eine Streife durch die urwüchsigen Weiten Lönsschen Schrifttums unternommen und sich an all der Schönheit und Echtheit ersreut hat, der wird es nicht mehr verstehen tonnen, daß menschliches Tun so töricht engherzig sein kann. Der Name Löns soll andere Saiten in uns zum Klingen bringen. Löns — das klingt so sehusnchterwcckend nach Licht, Lust und Sonne, nach dem frischen Dust der Erdschollen, nach Heimat. Die ganze freudige Natnrbejahnng des Deutschen liegt heute in dem Namen dieses Dichters verankert. Nur das ist es, was feinem Lebenswerk ein so außerordentlich tiefes Eindringen in alle Schichten des Volkes ermöglicht hat. Von der Gattin des Dichters erhielt ich einige Gedenkworte, die in ihrer menschlich i schlichten Form den Kern berühren und die ich hiermit der Qessentlichleft übergebe: ..Wenn ich jetzt an die Zeit von vor zehn Jahren denke, i dann wird es mir immer klarer, wie gut es das Schicksal mit Her j manu Löns gemeint hat. Sein Ende war harmonischer wie das! von Hagenrieder. Und ivenn man schon nicht mehr weiß, wofür i mau lebt, dann ist es ein Gluck, zu wissen, wofür man stirbt. Es! wäre schön, wenn man Knuehmen könnte, daß er tveiß. wie tief! wirtungsvoll seine Lebensarbeit geworden ist, wie er gerade das hak i leisten dürfen für unsere Zeit, was ihr uokint. Dann würde er! den Ausgleich erhalten haben für das. was das Leben ihm versagte. Das; man ihn auch politisch mißbraucht, steht ja auf ■’ einem anderen Blatt."! Kleine Chronik. In cictiin fand eine fcfilid'.c Vmausraltung au» Anlaß der Lbjährigeu Amrswirlsamreit des Herr» Iustizrat Dr. Lew in als Vorsitzenden des Äc-! prchcntantcnkoUegiums nnd der Lcrrcn Iustizrat Moritz, Santtätsrat Dr. Adler und Gustav Trcncnjcls als Mitglieder der Gemeindebehörden statt, die ein erfreuliches Bild von dem harmonischen Zusammenwirken der Gemeindebehörden untereinander bot. — Die städtische Voltshochichule Nord hausen, har in ihrem -neuesten Arbeitsplan eine Vortragsreihe des Aabbiners Dr. Lev y über deu Talmud ausgenommen. Es'ist ^u begrüßen, daß auf diese Art der Allgemeinheit Gelegenheit gegeben wird, in dieses fo vielfach verkannte und missverstandene Geistcsaebier einen Einblick .m gewinnen. — Der Vorsitzende der Ortsgruppe Tenn tVhönft Herr Äcnls ö ci III t o u it , vollendete iciu TO. Lebenssahr in seltener Rüstigkeit. Lcrr Lcribronn betätigt sich im Dienste des Judentums mit vorbildlicher Schassen-.-- frcudc. — Lehrer Lander, der langjährige Vorsitzende der Ortsgruppe Friedenau, die, innerseiner Leitung erfolgreiche Arbeit vollbringt, feiert in diesen Tagen seinen ö0. Geburtstag. Dir gratulieren herzlich. Antworten. Mehreren Anfra senden. Bei unserer Zentrale gehen häufig Anfragen und Dünsche ein, die rein religiöse Angelegenheiten betreüen. Der Centralverein. Parf grundsätzlich Entscheide dieses Eharasters n \ d>: erteilen, sondern bittet feine Freunde und Mitglieder, in alles, diesen Fällen die maßgebenden Persdnllchlciten, also unsere Herren Rabbiner, die ja allen gern zur Verfügung stehen. Zu Rate Zu Ziehen. _ C A.» Berlin. Es haben sich genügend Zeugen gemeldet, die bereit stnd. Zu bestätigen, daß unftre Darstellung über Len. Verlauf der Loewc-Versammlung ivgl. „C. B.-Zeiruuq'^ Nr. 1) auf Dahrhe-t beruht, die Lcrichtiaung al'.o nicht der Wahrheit entsprich:. Nach Neuenahr. Wir danken Ihnen für die Mitteilung, daß der Inhaber des dortigen Hotels „K a i f e r h o ft, Guido N t ü m c r i c 1, vneut.iH die Juden beschimpft. E. L. L. Iackie Coogan stammt aus einer Familie, die vor drei Generationen katholisch geworden ist. ’ S. B.» CharlottenburZ. Auch wir haben in Nr. 1b (1224) der „Jugend-' die „Etizze" „Sic transit" gelesen, in der in unerhört gsschmacklo'er Weise die Ansbeutuiig der Schlachtfeldec für Kunstdünger l'ewin-lt wird. Die Unterschcist des Versagers A. de N.^wird in der völlüchen Presse als A. de Nora gedeutet und darunter als Versager ein galizischer Jude vermutet, da ja nach völkischer Auffayung so, etwas nur von einem Juden verfaßt fein kann. Dir rönnen gegenüber dieser Behauptung feststellen, daß A. de N. das Pseudonym des Schriftstellers Dr. med. Anton. Nodrr ans München ist, der niemals Jude gewesen ist. S. A., Ltreseld. Der Arbeiterführer Samuel Go m p e r s, dessen Ableben tzt, aus New-dork geuirkdet wird, entstammt nach David Kaufmanns chrift „Die Familie Gompers" jener weitverzweigten Familie, die, vom Slicder.- rhein ausgehend, die halbe Kulrurwelr mir einer Reihe bedeutender Männer auf .allen Schaffensgebietcn befchenkrc. Der Präsident des amerikanischen Geroerlschaftsbundes Samuel Gomprrs entstammt vrm englischen Zweige die>es verbreiteten Gefll"" " Geschlechtes der Gomprrs. Dcrs Judentnru auf der JLrhrtaufend^AusstelLnug in Köln. Auf der Jahrtausend-Ausstellung, die in Köln voivereitet wird, wird eine große Ableilung die Geschichte der Zud<n im Rheinland nmsassen. Nach urkundlichen Feststellungen gab es bereits-im Anfang des 4, Jahrhunderts jüdische Gemeinden u. a. in Köln, Dornis, Mainz und Speyer. Gerade während des Dtrttelatters halben die Juden im Rheinlands eine sehr bedeutende Rolle gespielt; allerdings auch ruanchma^ schwere Verfolgungen zu erdulden gehabt. Es ist beabsichtigt, sowohl dir äussere Geschichte der Inden wie ihr geistiges Leben, sowie das Jude ul nur in Synagoge und Hans während des verftr-;!enr-n Jahrtausends zur Darstellung Zu bringen. Zum ersten Riale wird hier der Versuch gemacht, das überall verstreute Diaterial, soweit es nicht in deu Stürmen der Zeit, besonders in Jahren dos schwarzen. Todes und in den spater sota enden Austreibungen vernichtet wurde, zu sammeln. Auch das Zeitalter der'äußeren und inneren Emanzipation der Juden in den Rhein landen ist hierbei nach MöglichkLir berücksichtigt. Die Sammlung und Sichtung des wertvollen Materials in den bewährten Händen des Rabbiners Dr. Kober. Zugunsten der LandbeimkaffL der .,KermeraDcn", DeutsL.- I ü d i scher Vanderbund, Ortsgruppe Berlin, sprich! Son:r. abend, 14. Februar, Johanna Meyer um 8 Uhr abends im Gcmeindesaai. Fa.sancnstraße über: „Von der Jugend für die Eltern". Karten iv. 2.— und 1.— Mar! an der Abrndksste. Geschäftliche Notizen. Die größten Feinde Der Menschheit sind die Errege: der Infektionskranlheitcn. Ein wirtsamcr Schutz gegen diese ist eine gute, fettreiche Ernährung. In der Fein!ostmargarine „Schwan im V'auband" wird Ihnen das für die Ernährung uueutbehrliche Zelt in idealer Form geboren. Larrdeck, das wahrend Ls-c setzten Saison von Kurgästen am stärksten besuchte Mid Schlesiens, hat auch während des Winters feine Anziehnno.skr<!st nicht verloren. Trockene WitLerung ermöglicht herrliche Sxaziergünge ui die ausgedehnten Waldungen. Tie Ernährung von Nekonvalefzent-en wird burck; Verwendung durch Ramogen gefördert. Wer sich hierüber näher informieren will, bestelle das Kochbuch von der Firma Deutsche Milchwerke A.-G. in Zwingen borg (Hessen), weiche es jedermann gratis und frei übersendet. Lerlag: Eer.Lralverein deutsch. SkaatsLürger iüd. Glaubens r. D., Berlin SW 63, Lindrnstr. 13. Tel.-Aür.: „Ccntralglauben Berlin". Vostfchrckk.: Berlirr 30472. F.d.SchrifLl.vcrantw.r De. Ludwig Ho llüude r, BrrIiu8W(L. — Unverl.Manufkr. werd.nur zurückges.. wenn Frriumfchlag beiliegt. — Vcrantw.ss. d. Anzeigenteil: Mar Junge. Bin.'FriedouLu, — Druck von AndAs Lllonc, Lettin12,

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