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Der Orient · 1851-05-03 · Heft 18 (3.5.1851) · p. Seite 279-280

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 18 (3.5.1851)
Date
1851-05-03
Page
Seite 279-280 (sequence 7)
Language
German
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279 Die profanen Wissenschaften unter den Juden. 286 Hille! 9 Akiba den Josef, Meir, Josua ben Lews, Elischa ben Abuja (Acher), Abba Arekka, Samuel, Chijja Ha-Babli, Asche, Abina, die rührenden und das Herz erschütternden über die zehn Märtyrer u. s. w. beweisen;^ diese umspinnen die Begebnisse dieser Periode, sie mögen auf politischem oder Kulturb¬ und literaturgeschichtlichem Grunde ruhen, mit den Zauberfäden der dichtenden Sage, wie z. B. die Zerstörung Jerusalems, der Timpelbrand.und das Schicksal seiner Schätze und heiligen Geräthe, die Zerstörung Betar's, die Synagogen und Lehrhäuser Babyloniens, das Bat-Kol, die Judenverfolgungen unter Römern und Persern, der große Konvent (Synagoga magna), das Schicksal der jüdischen Alexandriner u. s. w. Wie die biblischen so auch die lalmudjschen Personallegenden ziehen nicht bloß israelitische Persönlichkeiten in ihren Kreis, sondern auch solche auf das Geschick der Juden influirende heidnische, lwie z. 83, die römischen Kaiser Titus, Nero, Adrian, Diokletian, oder die persischen Könige u. s. übet; welche alle die Sage ihre Dämmerflügel ausbreitet. — Innerhalb dieses gezogenen Kreises.ist die große Legendenmasse in dem weitschichtigen talmudischen Schriftthume zu gruppiren und zur Anschauung zu bringen, und es ist hier nicht der Ort, dem Urquell dieser jüdischen Legendenbildung nachzuspüren, da bekanntlich jedes Volk mehr oder weniger diese Schule der Kindlichkeit und der phantastischen Naivetät durchgemacht. Allein so viel erkennen wir schon bei oberflächlicher Anschauung, wenn wir die Legendenmassen auch nur flüchtig durchmustern und durchprüfen, daß die Sagen durch und durch 120) Für diese Klasse haben wir ebenfalls noch keine Nachschlagebücher. Das obenerwähnte N a ch l a e S ch i mco n t zweiter Th eil, worin über die Mkschnaiten ein solcher Nachweis aus dem Talmud und dem Midrasch Rabba gegeben wird, ist sehr unvollständig und ohne wissenschaftliches Bewußtsein angelegt. (Es ist mit dem ersten Theile zusammengedruckt Wandsbcck, 1728 f.). Der Theil über die Amoraim von demselben Verfasser ist gar nicht gedruckt worden, und vielleicht auch ganz untergegangen. Das Chroniken Seder Ha-Dorot vonJechieäl ben Salomo aus Minsk (Karlsruh, 1769 s.), worin die umfänglichste Abtheilung das Onomastiken in Tarmaim und Amoraim bildet, hat zwar für diesen Zweck die reichsten Nachmessungen, jedoch da die Tendenz eine andere war, kann auch dies nicht genügen. lieber die jüngste Arbeit der Art, genannt Secher Ebed Abot (Elieser war Ebed Abot) von einem gewissen Leser, Rabb. zu Könitz, welche Herr G. Brecher in Proßnitz handschriftlich besitzt, wissen wir zu wenig, um darüber ein Urtheil zu fällen. — Weniger systematische Sammlungen gab es übrigens schon früh, wie Z. B.'tt b ba de-Chaside in einer Glosse zu Midrasch Kohelet S» 108b und die uralten Gifte deAgadta. R. Israel nennt hinter Reschit Chochma 287a ein Agadar Pirka de Chaside; ein Vatikan-Kodex 285 N. 4 hat Maassiot Ha-Midraschimz Maassiot ha-Talm ud sind gedruckt Konstpl. 1519, Venedig 1644; Chi bbur.Maassiot zu Ferrara 1554, Venedig 1605, Verona 1647 und dergleichen. Sagenbücher giebt es unzählige , ohne jedoch daß irgend eines eine systematische Ordnung hätte. jüdisch-national, und wie das ganze jüdische Schriftthum der Bibel und des Talmuds in Inhalt und Form, in Stoff und Gewandung die jüdischen Züge und Eigenthumlichkeiten zeigen. (Fortsetzung folgt.) Ueber die Aufnahme der profanen Wissenschaften unter den Israeliten durch Moses Mendelssohn und Naftali Hartwig Wessely. (Fortsetzung.) Zwar sing auch in Deutschland durch Dohm u. A. angeregt, ein besserer Geist sich kenntlich zu machen an; keine innere Stimme sagte dem denkenden Christen, daß der Andersgläubige auch der Intelligenz fähig und Gottes Ebenbild seidie Sühne sollte durch Mendelssohn geschehen. Dieser wurde von Lessing, Fr. Nicolai', d'Alembert, Maupertuis und Kant, und vielen andern Gelehrten, als Mensch geachtet, als Weiser geschätzt und als Freund geliebt. Die allmächtige Kraft der Wahrheit hat auch unfern Widersachern die Toleranz abgezwungen; sie hat ihnen auf die Spur verholfen, den Nebenmenschen in seine Rechte wiedereinzusetzen, das hat ihnen Mendelssohn gelehrt; aber ganz drang diese göttliche Stimme noch nicht durch. Als die k. preuß. Akademie der Wissenschaften beschloß, M. als ordentliches Mitglied aufzunehmen, da gab es der große Friedrich nicht zu. Der Freund dieses Königs — und zugleich M.'s — Marquis d'Argens vernahm, daß M. nicht einmal das Recht eines inländischen Schutzjuden genoß. Aeußerst aufgebracht darüber verlangte er, daß M. eine Vorstellung beim König einreichen möchte. M. suchte ihn zwar zu beruhigen, daß das Gesetz keine Ausnahme gestatte, und daß er auch keine beanspreche; doch der Marquis bestürmte M. so lange bis er nachgab. Aber der Weise zu Sanssouci verlieh M. nur ein Schutzprivilegium für seine Person; seine Nachkommen durften keinen Anspruchs darauf machen. — M. schritt unaufhaltsam fort in seinem Streben zur Aufklärung seiner Glaubensgenossen. Das einzige unmittelbare Unternehmen dafür, dessen Folgen weit einflußreicher waren als M. selbst erwartete, und wodurch die große Umwandlung in Israel stattfand, war seine Uebersetzung des Pentateuchs in deutscher Sprache mit sog. jüdischen Buchstaben. Das erste was einer Nation den Untergang drohet ist, wenn es seine Muttersprache verliert und keine andere dafür annimmt. So ging es den Juden, alle Sprachkunde war damals unter ihnen erloschen; in ihrer isolirten Stellung und zu ihrem Kleinhandel war ihr Kauderwelsch genügend. In diesem Jargon wurde auch die Bibel von den polnischen Schulmeistern gelehrt und erklärt. Dadurch ward dem Knaben schon von vornherein alle Lust zur Bibelkunde benommen.

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