Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1851)
- Date
- 1851-04-25
- Page
- Seite 257-258 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studien und Kritiken Zwölfter Das Abonnement auf ein Fahr ist 3 Ehlr. 20 Ngr. Man abonnirt bei allen Postämtern und allen Buchhandlungen auf ein Jahr. f ii r jüdische Geschichte und Literatur. HerauSgegeben von vr. Julius FürS. Jahrgang. Von dieser Zeitschrift erscheint wöchentlich ein Bogen, und zwar an jedem Sonnabend regelmäßig. 1881. eipzig, dm 23. April. Inhalt. Studien. Dle Aufnahme der profanen Wissenschaften unter den Juden. Von M. Mendelsohn. — Masoretische Studien. Die Verszahlung. Von S. Bar. — Orthographie des A. T. Von PH. A. Ree. (Forts.) — Ueber den gegenwärtigen Zustand der jüdischen Literatur in Deutschland. Von A. Treuen fels. — Die kleine Genesis. Ueber die Aufnahme der profanen Wissenschaften unter den Israeliten durch Moses Mendelssohn und Raftali Hartwig Wessely. Seit mehr als einem Jahrhundert waren die profanen Wissenschaften m Israel fast gänzlich erloschen. Der Geist, der bewunderungswürdige Scharfsinn seiner Theologen blieb sich zu allen Zeiten gleich; aber die Richtung desselben war einzig und allem auf das Talmudstudium beschränkt. Alles gab sich diesem Studium hin; alles andre Forschen nach Licht und Wahrheit rvar, von der Unwissenheit, als der Religion gefahrbringend, untersagt. Selbst die Kunde der Bibel- Sprache, und die Schriften der großen Vertreter und Exegeten derselben, eines Maimuni, Saadja, Atbo, Ralbag, Adonio u. A. wurden als dhdd, profane Schriften verketzert und der Verstand des lernbegierigen Jünglings wurde auf den Talmud hingewiesen. Auf diesem Felde entstanden sehr mächtige Geister, deren tiefes Eindringen in die Worte unserer Weisen stets bewundernswert bleiben wird, und die man die Erhalter der Lehre nennen darf. Aber diese Art des Studiums öffnete den Flachkopfen Thür und Thor zu arger Sophistik. Diese beschränkten sich nicht darauf die heilige Schrift nach dem Talmud zu erklären, sondern sie verdreheten durch falsche unlogische Schlüffe Bibel und Talmud, und verwirrten ihre einfachen Lehren so daß die Akten niemals spruchreif wurden. Waren sie beim reinen Studium geblieben, so wäre ihre Geistesrichtung nie so verschroben worden. Ja mancher große Geist ist in diesen Fehler verfallen, weil sein stets reger, aber nur auf den Talmud beschränkter Sinn etwas Neues schaffen wollte. Und daß der Talmud rein wissenschaftlich gelehrt werden kann, davon überzeugen uns Männer wie Maimuni und seine großen Nachfolger. Freilich haben die meisten dieser Koryphäen ihre klare Anschauung ihren profanen Studien zu verdanken; wo dagegen diese von den jüdischen Lehrstühlen ausgeschlossen wurden, da geriethen sie auf Abwege. Sie begriffen weder Bibel noch Talmud, noch deren große Ausleger. Sie bauten Luftschlösser und „legten den Propheten und Weisen ihre unsinnigen Spekulationen in den Mund. So verschwand die Weisheit der Gotteslehre aus den Zelten Juda's. Daß die Sophistik bei uns länger als bei andern Völkern ihr Unwesen trieb, daran ist nur die Unkunde im profanen Wiffen Ursache; aber die Schuld tragen eben diese Völker. Sie waren es die unfern Geist gedrückt: sie verschlossen uns die Hallen der Weisheit, und ließen unfern Geistbegabten nur Talmud und Bibel. Nur an ihnen sollten sie ihre Denkkcaft üben. Ein grausames Ansinnen, da keine Wissenschaft allein stehen kann; die eine löset das Räthsel der andern. So in das Geistes-Ghetto gesperrt, erklärte der Rabbine das ihm von den Christen verbotene Studium der Wissenschaft, für der Religion zuwioerlaufcnd, um sich auf diese Weise den schweren Druck seiner Ketten zu erleichtern, und blieb unwissend. Wenn auch dann und wann ein Feuerkopf, dem Fluche der Rabbiner Trotz bietend, sich der Weisheit hingab, und von ihr liebreich ausgenommen wurde, und mit allen Fächern des Wissens ver- 17