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Der Orient · 1850-12-21 · 51 (21.12.1850) · p. Spalte 801-802

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Journal
Der Orient
Volume
1850
Issue
51 (21.12.1850)
Date
1850-12-21
Page
Spalte 801-802 (sequence 1)
Language
German
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raturbtatt -es Orients. Berichte, Studien und Kritiken f L r jüdische Geschichte und Literatur. JW 51, Leipzig, den 21. Dcccmber 1830. Inhalt. Kritiken. Kurze Übersichten. Deutscher Kinderfleund für isr. Schulen von Nathan. Angez. v. L. Weyl. — Studien. Nachricht über Abu'l-Walid Merwan Jbn G^anüch rc. von S. Munk, übers, von Jul. Fürst» Ausführliches über Dun asch b. Temim. —- Bemerkungen über hebr. Eigennamen von H. Pl). R«e. — Literatur- und kulturhistorische Miscellen von Dukes.. — Ankündigungen. Kurze Uebersichten. 32) Deutscher Kindersrwnd für israelitische Schulen. Nach der 39. Aust» des Kinderfteitudes von Preuß und Vetter für die israelitische Jugend eingerichtet von Joel Nathan, iör. Lehrer zu Danzig. Mit einem Vorworte von Dr. I. L. Sacilschütz, Pred. der isr. Gem. zu Königsberg. Königsb. 1650. 8. Im Munde unserer Großväter und Großmütter lebt heute noch das Sprüchwort ^Dn. Und sie haben Recht, die guten Alten. ,,Alles ist vom Glücke abhängig»^ Und warum wird die hellenische Jungfer Fortuna mit verbundenen Augen dargestellt? Weil das Glück blind ist, weil es nicht sieht, wen es begünstigt. — Wer ahn mit verbundenen Augen agirr, der thut oft Mißgriffe. 'Das kann nicht anders sein. Daher sieht man auch in der Welt so oft Personen und Sachen von Fortunens Hlttd überhäuft, die sie, bei Lichte betrachtet, nicht verdienen. — Ja, Alles'ist vom Glücke abhängig — Alles, sogar ein Kinderfreund, d. i. ein Lesebuch für die Jugend. —- Wäre das nicht so, dann würde gewiß der Preuß-Vetter'sche Kindersremid in kaum 10 Jahren nicht 48 Auflagen erlebt haben und ebensowenig durch Herrn Joel' Nathan zu einem „Lesebuch für die israelitische Jugend" eingerichtet worden sein. — Wird der Nathan'sche Kindersreund eben so viel Glück haben? Es ist möglich. Wir mißgönnend ihm gewiß nicht. Jedenfalls aber hatten wir uns für verpflichtet, unfern Kollegen in Israel, deren Mehrzahl die erwähnte „Judaisirung des Preuß - und Vetter'schen Buches" gewiß noch nicht zu Gesichte gekommen, zu sagen, was sie in derselben finden, lind was sie nicht finden werden. — Vorher aber noch eine Frage! Wozu giebt es konfessionelle Lehrbücher? — Was uns betrifft, so wissen wir hierauf ebensowenig eine Antwort zu geben, als auf dr^ Frage, warum heutzutage noch, nach Consessionen getrennte Volksschulen existiren. —Und sollten auch für das Bestehenbleiben der Conftssionsschulen von Stahl-Gerlach christlicher- und von Dr. Vran in Danzig jüdischerfei tö1 noch ft) scharfsinnige Gründe aufgesunden und uns endlich einleuchtend gemacht werden, so werden wir doch immer noch zu fragen nicht aufhören: „Wozu giebt es confessionelle Lehrbücher?" — Ein konfessionelles Lehrbuch ist ein Unding, dessen Existenz Nichts rechtfertigt» Denn keine Schule ohne Religions-Unterricht, kein Religions* Unterricht ohne Katechismus, und diese beiden können — wenn der Lehrer es nur versteht — für die Confession genug wirken. Doch kehren wir zu unstrm Buche zurück. — Was hatte Herrn Joel Nathan veranlaßt, den Pr.-V.'schen Kdrfrnd. umzuarbeiten? Er hat in demselben zu viel „Speci fisch Ehru stlich es" gefunden und war nun bemüht, dasselbe,auszusondern und an seiner Stelle ebensoviel „Specifisch Jüdisches" in's Buch zu bringen. Wie viel Dank und Anerkennung dieses Streben verdient, mögen unsere, wie des Herrn I. N. Collegen unter sich selbst abmachen. In jedem Falle hätte Herr I. N. bei seiner Arbeit etwas sorgfältiger zu Werke gehen müssen. Er hat das sich vorgesteckte Ziel nicht ganz erreicht, sein Werk ist Lückenhaft, und das Buch kann demnach auf den Namen „Deutschen Kinderfreundes für Israelitische Schulen," oder eines „Lesebuches für die Israelitische Jugend" durchaus noch keinen gerechten Anspruch machen. — Lassen Sie uns zuvor darthun, was Herr I. N. geleistet, eye wir zeigen, 1) Vergl. das Jahrbuch von Klein, Jahrgang 1849: „Ueber die Nothwendigkeir getrennter Schulen für die mosaischen Glaubensgenossen" (von Dr. Bran in Danzig). 51

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