Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1850)
- Date
- 1850-12-14
- Page
- Seite 197 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Elfter für Jahrgang. -— Mische Geschichte und Literatur. — Das Abonnment auf Von dieser Zeitschrift ein Jahr ist 5 Ttilr. Man abonnier bei allen Herausgegeben erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitlöbl. Postämtern und gerechnet, zwei Bogen, allen solid. Buchhandvon und zwar an jedem lungen auf ein Jahr. Dr. Julms Fürst. Dienstag regelmäßig. mm Leipzig, beu 14. Deeember 1850. Inhalt. Deutschland L eip zig. Neuer Rückschritt in den Verhältnissen her Juden. Preußen. Statistik. — Oesterreich. Prag. Die neue Aussicht. Die Synode. Prag. Ueber die erste Sitzung. Prag. Ueber die zweite Sitzung. Prag. Allgemeiner Bericht. Aus U n g a r n. Verkeilung des Kultusfondes. Aus Oesterreich. Statistik. Preßburg. Verworrenheit der Zustände. Prag. Vertheidigung der Rabbiner. — LB. d. Or. Deutschland. Leipzig, 5. Dcbr. Was mau in Bezug auf die Lage der Juden in Sachsen, nachdem die Grundrechte wieder in der attzngroßen Restaurationswnth aufgehoben worden sind, erwartet hat, scheint nun endlich einzutreffen. Die bereits als Gesetz promulgirtmBestimmungen der Grundrechte, worunter auch die Gleichstellung der Konfessionen, haben die Regierung als zmAufnahme in die Versaffungörevisien bestimmt erklärt; jetzt wo diese Verfaffungsrevision sich realisiren soll, ist die Reaktion bereits soweit gediehen, daß man nur das Alte behalten will. In der 1. Kammer hat die Deputation sich dahin erklärt, die Revision abzuweisen und beim Alten zu bleiben und somit auch die gesetzlich bestehende Gleichstellung als Produkt des Jahres 1848 aufzuheben. Die Regierung, welche die Aufnahme selbst angetragen, ist bereit, wie der Staatömiuister v. Friesen erklärt, jetzt selbst die Revision aufzugebeu. Der Bürgermeister Wimmer stellte zwar in Bezug auf diese Gleichstellung ein besonderes Amendement, das auch vielfach unterstützt wurde, allein als das Ministerium versicherte, die Verhältnisse der Juden sollen geregelt werden, nahm er sein Amendement zurück. Recht komisch" und lächerlich nehmen sich bei der Diskussion über die Juden die Phrasen von den Theologen Groß mann und Harleß aus, die leider jetzt wieder mit ihren versauerten Gedanken Luder Kammer sitzen. Hr. G. meinte, die Juden mögen emancipirt werden, wenn sie nur gemischte Ehen eingehen wollten! Hr. Großmann muß in Gedanken gewesen sein, denn sonst hätte er gewußt, daß nicht die Inden, sondern die christlichen Pfaffen das Hinderniß bei gemischten Ehen sind. Wenn der Rabbiner eine gemischte Ehe einsegnen soll, so muß erstens die Regierung es erlauben, und zweitens der Gleichheit wegen auch der Pfaffe es thun, was schon die Gleichberechtigung gebietet. Lächerlicher noch klingt die Salbaderei von Harleß. Er meint, die Inden sollten aus Humanität nicht emcmeipirt werden, weil das Volk sic dann todtschlagen wird; allein wenn wir Juden es ihm offen sagen, daß wir es sehr gern daraus ankommen lassen wollen, daß wir in dieser frömmelnden Ausrede weiter nichts als baierischen Jesuitismuö sehen und daß wir es für em größeres Unglück betrachten, wenn Männer seiner Art den Rückschritt fördern, so wird er es uns glauben, daß die Zeit vorüber ist, wo solche Ausreden in der Gesetzgebung walten können. Möge die Regierung nur immerhin die Früchte der Märzerhebung vernichten, möge sie veraltete Gesetze mit den verlebten Formen wieder heraufbeschwvren, um so schneller wird der neue Morgen nicht blos für die Juden sondern für das ganze Volk Heranbrechen. PreuHen. Die Zahl der jüdischen Staatseinwohner betrug nach der Zählung von 1849 überhaupt 206,516, darunter 37,461 Kinder schulpflichtigen Alters. Von diesen besuchten 19,197 die christlichen, 18,073 die jüdischen Schulanstalten. Die Zahl dev jüdischen Lehrer belief sich auf 665» 50