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Der Orient · 1850-09-14 · 37 (14.9.1850) · p. Spalte 589-590

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Journal
Der Orient
Volume
1850
Issue
37 (14.9.1850)
Date
1850-09-14
Page
Spalte 589-590 (sequence 7)
Language
German
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589 590 Studien. Die letzte Presse in Safed. etwa neuere und neueste Druckwerke, sondern gerade ältere,! ü, der Türkei oder in Italien gedruckte Bischer. Und, sonderbar genug, die neueren Werke, die in Safed und Jerusalem seit 1832 erschienen sind, fehlen sämnitlich in des Rabbiners Sammlung zu Hebron, obgleich es, mit Ausnahme der Geographie Palästina's von Josef Schwarz, nur Lalmudische, kabbalistische und liturgische sind. Wir haben schon gesagt, daß der Inhalt der Sammlung mehr der Ritual- Literatur angehört, und der Rabbiner ist in der Ausschließung philosophischer und grammatischer Schriften so eisern konsequent, daß man die Werke vonSaadja, Mmmonides, Jehuda Ha-Levi, Jbn Esra rc. bei ihm vergebens sucht. Aber auch wichtige Schriften ritualen Inhalts, selbst solche, die man in jüdischen Privathäusern häufig findet, fehlen, und dieser Umstand führt uns auf die Vermuthung, daß der Rabbiner seinem Freunde Wilson denn doch nicht dm ganzen Vorrath erschöpfend verzeichnet habe. Die sonst so schwer zu findenden Werke des berühmten Talmudisten und Bibliologen Asuloi sind fast alle im Verzeichniß; Handschriften fehlen gänzlich. Die Mühe, die sich Wilson giebt, um Kenntniß von hebräischen Büchern und hebräischer Literatur bei den morgenländischen Juden zu erhalten, entspringt aber nicht aus allgemeinen bibliographischen Neigungen oder aus höherem wissenschaftlichen Eifer-, so gelehrt und schriftstellerisch fruchtbar er sonst auch ist, nein, dieser Eifer steht mit seinem besonderen Interesse für jüdische Wissenschaften im Zusammenhänge und unabhängig von seinem Berufe als Missionär. Als ein Beweis, wie wenig er sich für Bibliotheken kümmert, deren Inhalt dem Chriftenthmne angehört, mag folgende, von ihm selbst unbefangen erzählte Thatsache dienen: Er hielt sich Tag und Nacht in dein wegen seiner alten Handschriften berühmten Kloster Mar Saba (zwischen dem Lobten Meere Md Jerusalem) auf, aber er vergaß ganz, nach der Bibliothek zu sehen. Er sagt Band U. Seire31. selbst: ,,1 regi-Vt thut when \ve were at Mar Saba, \ve ruade no inquiiy abemt the library of the convent. We were not aware, that not niany years ago it seems to have becn of considerable importance.“ II* Die letzte Presse in Safed. Wilson giebt anziehende Nachrichten über die gegenwärtigen Zustände der Juden in dem galiläischen Städtchen Safed, aber ich würde sie mißhandeln, wenn ich sie hier, auf trockenem bibliographischen Boden, wiedergäbe) ich spare sie zu einer besonderen Mirtheilung auf und will hier nur eine bibliographische Nachricht des Verfassers benutzen, um einige Worte über die kurze Zeit thätig gewesene Druckerei von Safed zu sagen. Doch muß ich hierbei einen vergleichenden reu das Fach der rabbinischen Literatur, theils durch Ankauf kleinerer Sammlungen, theils durch Einzelkäufe, ansehnlich vermehrt, und sie kann sich mit jeder deutschen Bibliothek, was Druckwerke betrifft, messen. 'Blick ans die schon einmal in Safed vorhanden gewesene und ebenfalls schnell unrergangene Druckerei werfen. Die Stadt Safed, nordwestlich vom See Liberias, ist eine der vier heiligen Städte Palästinas, und zwar seit ihrer Heiligsprechung die schicksalsreichste. Jerusalem und Hebron sind heilig aus wahrhaft hochheiligen Erinnerungen einer unvergleichlichen Vergangenheitz Liberias ist heilig aus malerisch ausgeschmückter Aussicht in eine schönere Zukunft (es soll der Messias dort vierzig Jahre vor seinem Einzuge in Jerusalem Hof halten), und alle drei Städte gehören dem jüdischen Alterthume an; Safeds Heiligthum gilt allein der Wissenschaft. Als die Ruhestätte vieler älteren Pfleger derselben und als der Sitz ausschließlicher Gelehrsamkeit der Rabbinen, wird diese gefahrvolle, von Erdbeben- Wettern und Drusen schon so oft zerstörte Stadt von frommen Rabbinen mit der höchsten Verehrung umgeben und mit einem überirdischen Patriotismus besucht und bewohnt. Ihre Apotheose fängt aber erst mit der Zeit an, wo die Kabbala durch das Buch So har, im 14. Jahrhundert, sich ausbreitete, dessen vorgeblicher Verfasser, Rabbi Schimeon ben Jochai, in oder bei Safed begraben sein sollte. Durch das ganze 16. Jahrhundert war die Gemeinde in großer Blüthe,' die Heroen der rabbinischen Literatur lehrten dort, und durch den Ruhm und die Thatigkeit eines dieser Heroen, des Rabbi Mose Alfcheich, erhob sich auch eine Druckerei, die mit ihm wieder erlosch. — Acht wissenschaftliche Werke aus jener Zeit sind mir bekannt; der Verfasser des Sifte Jeschenim kennt kein einziges. Das erste bekannte Werk ist von 1563, und merkwürdigerweise ist dieses zugleich das erste Jahr, wo im Morgenlande überhaupt Bücher gedruckt wurden. Die Juden waren demnach bie ersten Drucker in Asien, denn die allerdings schon alte Druckerei der Chinesen ist nur Xylographie.^ In der Mitte des 17. Jahrhunderts fand kein Reisender mehr eine dortige Druckerei in Thatigkeit und eben so wenig im 18. Jahrhundert. Erst um 1832 entstand wieder eine Presse in Safed, die im Jahre 1834 durch die Drusen zerstört wurde, und seit dem schrecklichen Erdbeben im Jahre 1837, das 20stv Juden getödtet, einige Jahre ruhte und dann nach Jerusalem verpflanzt wurde. Die neuere Presse von Safed, die nur ein fünfjähriges und noch dazu von Unterbrechungen volles Leben hatte, weist bei Michael nur zwei Werke aus, und eben so hat der gelehrte Sammler Herr Rosenthal in Hannover nur dieselben zwei. 4) Wer erinnert sich hier nicht des Städtchens Ferney und Volraire's? Auch Voltaire hat Ferney auf kurze Zeit zum Druckorte gemacht, und sind vielleicht eben so viele Werke dort gedruckt wie in Safcd. Die Drucke von Ferney sind seltener, als viele Inkunabeln, und irre ich nicht, so fehlen sie auf der hiesigen Königlichen Bibliothek. — Aus der Zeit nach „Alscheich's Tode ist mir nur ein bei Safed gedrucktes Werk bekannt. 5) Merkwürdigerweise haben im Jahre 1563 die Portugiesen das erste Buch in Goa gedruckt»

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