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Der Orient · 1849-05-12 · Heft 19 (12.5.1849) · p. Seite 96

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 19 (12.5.1849)
Date
1849-05-12
Page
Seite 96 (sequence 7)
Language
German
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96 darin einen besonder« Reiz finden,, d^enn wir hier üppig emporschießende Saat, .und dort noch einen Schneehügel erblicken, — da ein knospendes Blümchen, und dort noch eine Eisscholle wahrnehmm: also fesselt uns auch im Leben der Menschheit jede aus muthigem Kampfe siegreich hervorgegangene, in freier Entwickelung begriffene, Form und Gestalt anstrebende Kraft, — also verweilen wir auch gern beim Anblilck einer nach Selbstständigkeit, Anerkennung und GeStung ringenben Persönlichkeit. — Jene wunderreiche Zeit in Egypten war der Frühling im Leben Jsrael's". — Unsere Deputation in Olmüh wurde vom Kaiser, wie Sie gelesen haben werden, mit großer Herablassung ausgenommen. Oesterreichische Nedenlander. Brody, im April. Während die erfolgte Jttdcn- Emancipation nun in's Leben tritt und die Beschränkungen , die in Bezug auf das Jntabuliren der Häuser, den Erwerb von Grundbesitz u. s. w. sich altallmälig entfernen, macht sich, wie es schrillt auf einen Wink von oben, eine Maßregel geltend, die ebenso nichtswürdig als ungesetzlich ist. Die durch irgend eine demokratische Gesinnung sich bemerkbar gemacht, werden Don Seiten der Behörden aus Rachsucht, für den Militärdienst gepreßt. Hier sind 3 jüdische Individuen * und darunter einer von 40 Jahren, der seit 15 Jahren verheirathet ist, nach dieser rachsüchtigen Politik gepreßt worden, und wenn auch nach den gemachten Reklamationen zu erwarten steht, daß mau sie wieder freigeben würde, so ist wenigstens eine Gelderpressung erreicht, die man sich schon gegen Demokraten erlauben darf. Was sagen Sie zu dieser Nichtswürdigkeit? An der Spitze dieser Niederträchtigen steht unser Bürgermeister, alsJui denfeind längst bekannt und berüchtigt, der nun dafür, daß ihm im vorigen Jahre einige Katzenmusiken gebracht wurden, Rache nimmt, anstatt dankbar zu sein, daß man ihn nicht fortgejagt und durchgeprügelt. Hoffentlich wird auch diese Episode iit der Realisirung der Emaneipation bald verschwinden, da die erschütternden Ereignisse Oesterreich ganz zu einem unmündigen Staate herabdrncken. Lemberg, 25. April. Bon hier aus habe ich Ihnen viel Erfreuliches zu berichten. Von der Freiheit, welche die Emaneipation gewährt, haben bereits viele reiche Lemberger Juden Gebrauch gemacht, indem sie größere und kleinere Güter angekauft, Besitzungen auf dem Lande erstanden und ohne allen Anstand sind diese Besitzungen in die Hypothekenbücher eingetragen und die Israeliten d3 Eigenthümer ausdrücklich benannt worden. Andere haben kleinere oder ’) Ich will Ihnen die Namen dieser politisch Verfolgten ansühren, es sind nämlich M. Z. FiiMstein, Simcha Levin und Krasnapolski. ' größere Pachtungen (so Samuel Blumenfcld im Zloezowec Kreis) oder überhaupt Stadtfelder übernommen, und es Läßt voraussehen, daß dadurch eine bedeutende und nur vortheilhaste Aenderung in dem Betriebe der Jude»! eintreten werden. Wie in Wien, so haben auch hier Diele Israeliten in den bisher unbefugten Bezirken Hauser gekauft. Der E.rdepntirte Halpern aus Stanis.lau, Bernstein hier u. A. haben große Güter gekauft nud somit thatsächlich von der Emaneipation Besitz gm-ommen. Aber nicht blos in Bezug auf Freiheit im Besitze, sondern in jeder Beziehung wird die Emaneipation zur Wahrheit. Der Haß der Spießbürger, ohnehin nur von dem fluchwürdigen Regierungöfanatisnms oktroyirt, ist geschwunden, die Judensteuer ist faktisch aufgehoben, die Pharaonischen Gesetze über Aufenthalt, das nichtswürdige Paßwesen, die Ansiedelungsrecht« in der ganzm Provinz, kurz alle Schmach ist abgenommen. Die Lmidesstetle hat noch in dieser Beziehung eine besondere Weisung gegeben, weil die Burcaukcatie gezögert. Der bekannte Dr. Löwenthal, von dem Sie in ihrem Blatte schon oft berichtet haben, hat hier im Tempel die Emancipationspredigt abgehalten; leider muß ich sagen, daß sie sehr schlecht war, was uns übrigens sehr gewundert. Sie ist bereits gedruckt. Daß sich darin eine hündische, kriechende Gesinnung ausspricht, können Sie denken und den Abstand von unserem Hingeschiedenen Prediger Abraham Ko Heu haben wir schmerzlich gefühlt. Ofen, 25. April. Welchen lebhaften Antheil unsere Glaubensgenossen an den harten Kampf für das j bedrohete Vaterland nehmen, werden Sie ans den barbarischen Verfügungen des unmenschlichen Windischgrätz, der ganze Gemeinden zu solidarischen Gcld.opfer verpflichtete^ ersehen haben. Erfreulich ist es Ihnen mittheilen zu können, das wir auch einen tüchtigen Heerführer aus unserer Mitte aufzuweisen haben. Dieser tapfere Mann heißt Dann e b erg, ist ein Jude aus Miskolz, welcher in Amerika gegen Mexiko Dienste genommen, und sich daselbst so wacker gehalten hatte, daß er zum Offizier befördert wurde. In seinem nengewählten Vaterlandc hörte Danneberg, daß in Ungarn der Krieg loSgebrochen sei. Sogleich war er entschlossen, seine Dienste der Heimath zu widmen. Er kam in Bremen zu Anfang dieses Jahres an, und hörte dort, daß die Inden in Oesterreich noch nicht emancipirt seien. Darüber war der neue Amerikaner so entrüstet, -aß er umkchreil. wollte, als er noch znr rechten Zeit erfuhr, daß feine Glaubensbrüder schon durch den letzten Preßburger Reichstag prinzipiell gleichgestellt worden waren. Kossuth vertraute ihm ein Korps an, und was man früher von einem Spanier Don Prado erzählte, der in den Reihen der Magyaren focht, gilt eben unserm Miskolzer Dauneberg. In Preßburg hat die Jsraelitengerneinde die gewünschte Anzahl von Arbeiter, um auf die im Weichbilde der Stadt gelegene Haide Schanzen zu errichten, aus ihrer Mitte herbeigeschafft. Verlag von C. L. Fritz sche. Druck von I. H. Nagel.

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