Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1849)
- Date
- 1849-01-13
- Page
- Seite 9 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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eri ch 1t, l Das Abonnement (auf ein Jahr ist 5 Lhlr. SKanabonnirt betören lobt* Postämtern und allen solid. Buchheuchlungen auf ein Jahr. jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben. von Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich dasLiteraturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zw>ar an jedem Sonnabend regelmäßig. Leipzig, den 13. Januar Inhalt.--Die-Juden in Mähren. Eine Stimme der Wahrheit. —«■ Deutschland 's bereinigte Staaten. Leipzig. Moses Mendelssohn. Leipzig. Berichtigung. Breslau. Gemeindewesen. U n g a r i sch - B r o d. Eine schöne Geschichte. Prag. Smancipationssache. Czechenthum. — Oefterreichische Nebenländer. P r e ß b u r g. Eine Verordnung von Windischgrätz. Juden und Magyaren. Krakau. Meisels. — Personalchroniß und Miscellen. Aus Mähren. LB. d. Or. Die Juden in Mähren. Eine Stimme der Wahrheit. . L. Als Bruno Bauer in seiner Judenfrage die politische und sociale Knechtschaft der Juden als Wirkung der jüdischen Jsolirung geschildert, wurde er mir Recht von allen Seiten wegen dieser einsei tagen Anschauung angegriffen, da man allgemein suhlte, daß das sociale und politische Leben nicht ohne Mitschuld ist. Jrh-t. wo .der Staat und die Gesellschaft im Begriffe sind, ihre Verschuldungen gegen dir Juden zu Kühnen, ist es auch zeitgemäß,' die Juden auf ihre Fehler und Verschuldungen aufmerksam zu machen, damit sie gleich dem Staate und der Gesellschaft auch ihre Schuld sühnen, welche sic an Gesellschaft rvnd Staat begangen. Es giebc Zeiten, in welchen die Liebe nicht die Sünden zudecken, sondern aufdecken muß, und eure solche Zeit, ist jetzt, wo die Erlösung Israels durch Mitteleuropa zieht und achtzehrrhundcrrja'hrige Schmach getilgt wird. Der tiefe Kulturstand meiner jüdischen Glaubensbrüdcr in Mähren, der großen Zeit gegenüber, namentlich der höchst entartete religiöse Zustand der Gemeinden, veranlaßt mich zu -folgenden aphoristischen Sätzen, in. denen ich alle Gebrechen rmd Fehler der jüdischen Zustände hier nur darum aufdccke, mi:i einen Geist der Sühne und der Aufklärung hc'rauszuhefchwören. Es reicht nie aus, daß man Sklaven freiläßt, sondern man muß sie auch für die Freiheit empfänglich macheiaz es reicht nicht aus, daß man einem Sklaven .die schweren Ketten abnimmt, sondern daß man in ihm jene Freiheit entzündet, welche für immer die Ketten sprengt. Die Juden Mährens waren Parias des Staates, verhöhnte Kammcrknechte, verfolgte Heloten; aber nun da sie frei werden, sollen auch die Konsequenzen verschwinden, welche die alte Zeit zurückgelassen. „Nichts beherrscht den großen Haufen wirksamer als derAberglaube." Diesen richtigen Ausspruch des Curtiuö (4 B. K. 10) weiß Niemand so zu schätzen als-: Pfaffen und Rabbiner. Wir wollen hier nur von Letzteren sprechen. — Man kann annehmen, daß bis zum Schluffe des 18. Jahrchunderts die mährischen Rabbiner ihrem Wesen nach durch und durch redliche and ehrliche Juden waren, die für den Talmud ihr ganzes Leben hingegeben haben würden. Diese Ehrlichkeit gab ihnen einen Charakter, der unfern gegenwärtigen Rabbinen fast Durchgängig abgeht. Sie ließen sich durch pekuniäre Verhältnisse nicht bestimmen, handelten nur nach ihrer innersten Ucberzeugung, glaubten nichts Besseres, Ersprießlicheres für ihre Gemeinden zu leisten, als eine große Anzahl von Jünglingen um sich zu versammeln und diesen den Talmud, die Quintessenz ihres'Lebens, zu lehren, nebstbei sich noch zwei Tage - in der Woche zu kasteien. Die mährischen Rabbiner bis zum 19. Jahrhundert waren der Ausdruck der Masse. Sie repräsentirten im vollsten Sinne des Wortes die Juden. — In unserein Jahrhundert begann die'Shaxakttrlosigkkit, Heuchelei und brp verderbliche Jesuitismus der Rabbinen. Sie „lernen"- nicht mehr, .um „die Lehre Gottes Tag und Nacht zu betreiben.", sondern um eine Stelle als Rabbiner zu. bekommen. Sir fangen an ■ 7 .. 2