Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 41 (7.10.1848)
- Date
- 1848-10-07
- Page
- Seite 328 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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— 328 — meint, desto unabweislicher machen sich in seiner Brust die Forderungen nach geistiger Kost geltend, und bleibt dieser Hunger ungestillt, so folgt geistige Abspannung,, wie nachdem leiblichen Hunger körperliche Schwäche, wie erst neulich bei einer andern Gelegenheit Jemand bemerkte. Wo soll er aber die Mittel hernehmen, sich die nöthigen Werke anzuschaffen?? — Es ist aber auch wahrlich nicht segenbringend für die Unterrichtsanstalt, wenn des Lehrers Stelle eine so schwankende und von den La unen Einzelner abhängende ist - wenn der Lehrer trotz der Anstrengungen, die sein schwieriges Amt beansprucht, nicht mit Sicherheit auf seine Existenz rechnen kann. Die Liebe zum Stande und zum Berufe hängt überall und namentlich auch beim Lehrer zusammen mit der Sicherheit der Existenz, welche sein Beruf gewährt. Ist diese Sicherheit nicht gewährt und kann sie. es nicht werden, droht dieser Existenz beständig das Damoklesschwert der Ungunst und der Abneigung, sei es der Gemeinde, sei es der Vorgesetzten, dann hat auch das Pflichtgefühl und das Pflichtgebot seinen festen Anker verloren^ Ueber die Wichtigkeit des Lehrerstandes ist schon viel gesprochen und geschrieben worden; aber was dieser Stand seiner äußern Stellung nach-in Anspruch nimmt, wenn er das sein soll, was ec sein könnte— das ist immer noch nicht genug zum Bewußtsein gekommen, und wäre es zweckmäßig, wenn von den jüdischen Zeitblättern öfter darauf hingewiesen und dem Schulwesen überhaupt — nach feiner innern und äußern Gestaltung — mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden möchte! Doch kehren wir zu unserem Gegenstände zurück. Ein Jeder, der das Schulwesen des Marienwerder'schen Regierungs-Bezirks, ja wir können hinzusügen, das der Provinz Westpreußen kennt, wird uns beistl'mmen, daß es hohe Zeit ist, für die Hebung desselben n a chdrücklich zu wirken. Das unselige Privatv er hält n iß, das sich schon längst überlebte C hed er-U n w e se n — denn die meisten dieser Privatschulen sind weiter nichts als ins Deutsche übersetzte CHedari m muß aushörcn. Und nicht nur für ein hinlängliches Auskommen des Lehrers und für eine angemessene Stellung desselben, sondern auch für die Bedürfnisse der Schule überhaupt, für ein geräumiges angemessenes SchulLokal, für Lehr- und Lernmittel" für eine 9) Vergleiche den trefflichen Vortrag über jüdischeSchul- und Lehrer-Verhältnisse vom Landrabbiner B. Wechsler. Oldenburg 1846, 8. 10) Der Lehrer kann nur lehren, d. h. (nach Wurst) das Denkvermögen zur Auffassung des Unterrichts anregen. Er kann nur den Schüler zum Versta'ndniß des Lernstoffes anleiten. Der Schüler aber muß lernen, d. h. das Erklärte und Begriffene im Verstände und Gedächtnisse befestigen; das muß der Schüler selbst thun; wenn dies aber geschehensoll, muß ihm auch ein Lernmittel in die Hand gegeben werden, und dennoch kommt es nicht selten vor, daß die.Eltern die nöthigen Schulbücher nicht anschaffen wollen, namentlich für die jüdischen Gegenstände. Für die är- Vertag von C. L. Fritz sehe» zweckmäßige Ei nt h eil u n g der Schüler, für die Feststellung der U n t ecrichtsgeg e n stä nd e und der S chu lstu n den 9 10 * * 11 sowie namentlich dafür, daß dem einzelnen Lehrer nicht so viele und so verschiedenartige Schüler aufgebürdet werden — dafür muß gesorgt, nachdrücklich gesorgt werden; mit einem Worte: es müßten wenigstens in allen größern Gemeinden besondere öffentliche jüdische Schuten errichtet werden. Die zu deren Erhaltung nöthigen Kosten könnten theils aus der Gemeindekasse, in welche alle Gemeindeglieder nach Veryältniß ihres Vermögens bestimmte jährliche Beiträge zu entrichten haben, theils von den Eltern, die Kinder zur Schule schicken, bestritten werden. Ob eine Familie Kinder habe oder nicht , macht gar keinen Unterschied; denn sowie jedes Gemeinde-Mitglied zu andern Gemeindelasten beizutragen verpflichtet ist, so auch ganz besonders zur Unterhaltung eines Instituts, worin der junge Nachwuchs der Menschheit die einstigen Gemeinde- und Synagogenglieder gebildet wurden. Vielen Gemeinden dürfte die Errichtung und Erhaltung besonderer jüdischer Unterrichtsanstalten schon deshalb nicht schwer fallen, weil sie zeither zu den christlichen Ortsschulen, an welche sie in der Regel angeschloffen sind, Beiträge zu liefern haben, die bei einer Trennung vom Ortsschulverbande doch aushören und auf die jüdische Schule verwendet werden könnten. So zahlt z. B. die jüdische Gemeinde zu Schloppe" jährlich c. 70 Thaler zur dortigen katholischen Elementarschule, obzwar diese nur von wenigen jüdischen Kindern besucht wird.. Würde es der Gemeinde nicht ein Leichtes fein, diese Summe durch einen Beitrag aus der Gemeindekaffe, so wie durch ein von den Eltern, die schulpflichtige Kinder haben, zu erhebendes Schulgeld so weit zu vergrößern, daß sie für die c. 49 schulfähigen Kinder, die sich dort befinden, eine eigene Schule gründen könnte? — Da ist ferner die Gemeinde zu Jastrow, die jährlich mehr als 200 Thaler zur dortigen evangelischen Stadtschule beiträgt, obwohl in der Regel kaum 18 jüdische Kinder diese Schule besuchen. (Beschluß folgt.) mern Schüler müßten die Schulbücher aus der Schulkaffe angeschafft werden, und wo keine existirt, müßte mit Rücksicht auf: Min DriDttf DVJJJ 0??' -NNlN eine solche gebildet^werden! — 11) Das Nähere über Unterrichtsgegenstände, Schulstunden, sowie über die innere Einrichtung jüdischer Schuien überhaupt, will's Gott, in einem besonder» Artikel. 12) Specielleres über diese Gemeinde, sowie über den Deutsch-Croner Kreis überhaupt ein ander Mal. Druck von I. H. Nagel,