Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 36 (2.9.1848)
- Date
- 1848-09-02
- Page
- Seite 287 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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und endlich bei gleichen Pflichten .auch gleicher Rechte theilhaftig machen werde, daher es denn dringend nöthig sei, einen Koncentrations - Punkt zu bilden , und zwar einen Vorstand, der vor der Hand seine Wirksamkeit aus die Periode des Reichstages ausdehnen, dann aber auch außer denselben wirken sollte, um für alle vorkommenden Fälle in Pesth einen Vereinigungspunkt und schleunige wirksame Hilfe und Verwendung finden zu können. Nachdem noch über den Zweck und die Nothwendigkeit eines Vereinigungs-Punktes von mehreren Mitgliedern, namentlich von Dr. Ignatz Schlesinger aus Pesth, Dr. Mathias Rott aus Caschau,. Moritz Diner aus Liptorc. gründlich und erschöpfend gesprochen wurde, wird von der ganzen Versammlung der Beschluß angenommen, daß es nöthig sei — eine Vertretung der ungarischen Israeliten zu wählen, und mit vorerörtetem Zwecke die Angelegenheiten der Israeliten Ungarns während des Landtages zu leiten, ohne daß dieselbe jedoch ihre Wirksamkeit auch außer dem Landtag auszudehnen habe. 5. In'Folge erlangter Uebcrzeugung von der Nothwendigkeit einer Vertretung, wurde in Berathung gezogen, worin die Aufgabe dieser Vertretung bestehen sott? und nach längeren Debatten der Beschluß ausgesprochen. — Die Wirksamkeit der zu wählenden Vertretung, bereits in oberörterlem Zwecke ausgesprochen, kann nicht durch Gränz- und Demarkations-Linien bemessen werdendste koncentrirt sich in der Aktivisirung derselben für d'ie bürgerliche Gleichstellung der Israeliten Ungarns mit den übrigen Landesbewohnern, und überhaupt für die Verbesserung ihres Schicksals, nach allen Kräften und mit allen zu Gebot stehenden moralischen und ehrenhaften Mitteln thätigst zu wirken, und kräftigst dahin anzustreben, daß die Israeliten Ungarns bei ihrer treuen Anhänglichkeit und Aufopferung für das gemeinsame Vaterland, das sie stets mit Gut und Blut zu vertheidigen bereit waren, und immer sein wollen, endlich von den vielfachen, ihnen durch. Vorurtheil, Haß und Verfolgung aufgebürdeten schmachvollen Fesseln des Druckes, der Verachtung und Ausschließung aller'Art befreit, und den übrigen Landesbewohnern', so'wie in allen Pflichten, eben so auch in allen Begünstigungen und Rechten angereihet werden mögen.' . So sehr nun auch die Generalversammlung das volle Vertrauen hat, daß bei der Wahl der Vertretung vorzugsweise auf rtchllichen — unbefleckten Charakter und auf Männer Rücksicht genommen wird, die ausgerüstet mit , gutem festen Willen und Fähigkeit — mit Muth, wissenschaftlicher, und sprachlicher Befähigung, für unsere gerechte Sache männlich in die Schranken treten,-sich die Sympathie des gesetzgebenden Körpers, der Behörden und Aller die auf die Veränderung unserer Lage Einfluß haben, zu gewinnen, und vorbezcichnete Aufgabe würdig und erfolgreich zu lesen im Stande sein werden, so sehen sich dieselben dennoch veranlaßt, vorzugsweise zu verwahren, daß die zu wählende Vertretung durchaus nicht die geringste Vollmacht haben, soll, in Sachen unseres heiligen von den Vätern ererbten Glaubens irgend einen Einfluß nehmen, oder der /Gesetzgebung gegenüber irgend eine Koneession eingehen zu können, selbst nicht'in dem Falle, wie die Rechtserweiterung für uns nur im Wege einer religiösen Aenderung zu. erreichen wäre. — Unsere Religion hat es seit den vielen tausend Jahren ihres Bestandes zur Genüge bewährt, daß sie durchaus keine staatswidrigen Dogmen in sich enthalte, unsere Glaubenslehre, die heilige Bibel liegt der ganzen Welt'vor, und bietet die Grundlage aller Konfessionen, unsere Gläubeiisbrüder hier und anderwärts haben sich stets als treue gehorsame friedliche Unterthanen, als betriebsame nützliche Einwohner, als anhänglich und zärtlich im Familienleben , nüchtern solid und rechtlich im socialen bürgerlichen Leben bewährt, und dadurch hinlänglich bekundet, wie wenig begründet jene von unseren Feinden aus Unverstand, Vorurtheil, Haß, Verfolgung und Mißgunst ausgestreute-'Anschuldigung ist, als ob die jüdische Religion den Zwecken des Staates zuwider wäre.— Der Staat hat somit kein Recht, die Aenderung unserer Religion zur Bedingung unserer politischen Erhebung zu machen, und unter diesem Vorwände, uns die angebornen Menschen- und zustehenden staatsbürgerlichen- Rechte vorzuenthalten. In diesem Sinne möge sich die zu wählende Vertretung bemühen, derlei ungerechte Forderungen zurück'zuweisen, keineswegs aber darf dieselbe die geringste Aenderung in der Religion eingehen. 6. In Beziehung der in vorstehendem Beschlüsse erörterten Eigenschaften derjenigen Männer, welche nunmehr als Mitglieder der Vertretung gewählt werden sollen, — wird zugleich der Beschluß gefaßt, daß die Mitglieder der Vertretung, welche einzigV und allein dem Ruse der Israeliten Ungarns folgend, sich für unsere Interessen und Beförderung unserer Angelegenheiten während, des Reichstages thätigst verwenden . und längere Zeit hier verweilen müssen, zur Entschädigung ihrer persönlichen Spesen entsprechende Diäten beziehen sollen, und zwar: ununtcrschiedlich ob dieselben stabil in Pesth ansässig sind, odtr aus der Provinz gewählt werden. 7. In Folge vorstehender Bestimmungen, wurde die Anzahl der zu wählenden Vertreter, die Dauer ihrer Wirksamkeit, Summe der Diäten, die Art der Wahl u. in Berathung gezogen, und nach mehrfacher Erörterung aller einzelnen Punkte für zweckmäßig erachtet, daß sich zuvörderst die Abgeordneten der Israeliten in den vier verschiedenen Distrikten, nämlich: — diesseits und jenseits der Donau, diesseits und jenseits der Theisz, darüber unter sich verständigen und ihre Vorschläge sodann in der General-Versammlung verhandelt werden sollen — in Folge dessen iheilten sich die Abgeordneten iu folgende 4 Kreise. ~~ 1. Kreis. Kom. Bacs, Lipto, Neograd, Neutra, Preßburg, Trmtschin. .Städte Ofen, Pesth, Lrmtschin zugleich